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Neuigkeiten, Rezensionen und Gedankensplitter
Zukunft Bahn!
Im Laufe des Oktober 2009 habe ich folgende E-Mail an unterschiedliche
Entscheidungsträger im Land NÖ, die ÖBB sowie Fahrgastvertretungen
- mit der Bitte um Stellungnahme - versandt. Hatte ich von Seiten des
Infrastrukturministeriums, der Stadt Krems sowie dem VCÖ binnen
kurzer Zeit Antworten, so ließ die Stellungnahme seitens des Landes
NÖ länger auf sich warten. Die E-Mail-Korrespondenz im Wortlaut:
S.g. Frau Bundesministerin Bures, s.g. Herr Dr. Nowak, s.g. Hr.
Dipl.-Ing. Knoll, s.g. Herr Mag. Garstenauer, s.g. Hr. Landeshauptmann,
s.g. Hr. Univ.Prof. Zibuschka, s.g. Hr. Landesrat Heuras, s.g. Hr.
Landesrat Sobotka, s.g. Bürgermeister!
Ich darf mich an Sie wenden betreffend die Thematik Ausgestaltung und
Forcierung des öffentlichen Zugverkehrs, speziell in Niederösterreich.
Als im Waldviertel wohnender und in Wien 19 arbeitender Bürger bin ich
in den letzten Jahren "pendelgeprüft". Meine Familie ist insgesamt
gerne mit der Bahn unterwegs (ÖsterreichCARD Familie), ich im
speziellen habe jedoch - derzeit zwar noch nicht direkt (meine Familie
hat einen Umzug in die Nähe von Gars/Kamp geplant) - das Damokles-
schwert der Nebenbahneinstellungen ständig im Hinterkopf (Wachaubahn
und Kamptalbahn).
Zum Glück sind die beiden genannten Strecken keine Schmalspurstrecken,
denn sonst wäre deren Schicksal wohl schon längst beschlossen.
Selbstverständlich wäre es mir möglich, meinen Wohnsitz näher zum
Arbeitsplatz in Wien zu verlegen, um der Problematik auszuweichen.
Dies wiederum wäre einerseits eine Kostenfrage zusätzlich zu
persönlichen Vorlieben, andererseits zeigt dies für mich aber eine
prinzipielle Unausgewogenheit der Maßnahmen in der Verkehrspolitik.
Weshalb für den öffentlichen Schienenverkehr trotz avisiertem
2/3-Budget-Anteil laut österreichischem Generalverkehrsplan tatsächlich
nur etwa die Hälfte an Budgetmitteln einfließt, ist mir unerklärlich!
(vgl. http://www.vcoe.at/start.asp?b=88&ID=3057)
Einerseits wird von St.Pölten über den Bahnhof im Tullnerfeld nach Wien
Hbf. eine Hochleistungsstrecke mit sehr hohen Spitzengeschwindigkeiten
gebaut; andererseits jedoch wird der öffentliche Bahnverkehr 30-50 km
nördlich von St.Pölten schrittweise immer mehr "ausgehungert" (Wachau,
Kamptal).
Was ich hierbei in keiner Weise nachvollziehen kann ist, weshalb der
öffentliche Personentransportauftrag bei einem prozentmäßig kleinen
Anteil an den Transportdienstleistungen der ÖBB unbedingt
wettbewerbsfähig auf einem geöffneten Markt sein muß.
Hingegen schiene mir das Ernstnehmen einer bewußten Querfinanzierung
der Nebenstrecken durch die gewinnbringenden Hauptverbindungen
zielführend, anstatt nur betriebswirtschaftlich zu denken. So wäre ein
Abwarten auf einen Felssturz od. eine Überschwemmung kein
"willkommener" Einstellungsgrund für die eine bzw. die andere
Nebenbahnstrecke mehr.
So habe ich oftmals bereits gelesen und gehört, daß die Stadt Wien
weltweit das am besten ausgebaute öff. Verkehrmittelnetz aufweist.
Jetzt frage ich mich im Umkehrschluß, ob sinkenden Fahrgastzahlen am
Land mit einer tlw. durch die einzelnen Länder vom Bund nicht
eingeforderten Streckensanierungsarbeiten zu tun haben. Außerdem
ist bereits tlw. eine Trendumkehr der Landflucht zu erkennen.
Wie ich der Homepage probahn.at entnehmen konnte, ist dzt. seitens der
ÖBB die Verabschiedung von Schmalspurstrecken in großflächigem Ausmaß
geplant. Die Mariazellerbahn wird wahrscheinlich als einzige
übrigbleiben, wahrscheinlich aus dem Grund der frühzeitig erkannten
Chance der Elektrifizierung.
Dies möchte ich gleich als nächstes Stichwort aufgreifen: in der
Schweiz wurde die Bedeutung eines starken öffentlichen Personenverkehrs
auf der Schiene bereits vor mehreren Jahren erkannt; So werden die
Nebenstrecken als wichtige Zubringer zu den Hauptstrecken angesehen.
Außerdem ist das Bahnnetz der Schweiz im Vergleich zum österreichischen
bereits zu mind. 90% elektrifiziert. Die Initiative "Bahn 2000" (vgl.
Deußner und Seelmann, 2008) sticht hier besonders hervor, ermöglichte
sie doch der Schweiz eine gewisse Vorreiterrolle im Bereich öffentlicher
Verkehr.
Mein persönlcher Appell: Verschiebung der Investitionen weg von der
Straße (wer braucht neue Autobahnen?). Weniger Autos => weniger Lärm
und Abgase. Die Einführung des Gesamtabos für den öff. Verkehr in
Österreich und Festschreibung der Erfordernis von Taktintervallen für
Züge auf den unterschiedlichen Strecken in Form von verbindlichen
Festlegungen (z.B. Bundesgesetzen), wie dies auch im VCÖ-Magazin 3/09
auf S.18 Erwähnung findet, erschiene mir zielführend.
Eine provokante Frage: Wenn jeder erwerbstätige Österreicher jährlich
EUR 70 für den öff. Verkehr zweckgebunden zur Verfügung stellen würde
- die Einnahmen aus der Vignette fließen ja nur in die
Straßeninfrastruktur -, ließen sich mit diesem Betrag entspr.
Streckensanierungsmaßnahmen finanzieren (Beseitigung von
Langsamfahrstellen) und/od. Änderungen der Triebfahrzeuge (Einsatz von
Triebfahrzeugen mit Neigetechnik) durchführen, so daß sich eine
Durchschnittsgeschwindigkeit von zumindest 60-70 km/h erreichen ließe?
(Möglicherweise geht es aber auch z.T. um fehlende Schrankenanlagen?)
Entsprechende Sanierungsmaßnahmen der Eisenbahninfrastruktur würden
m.E. sicherlich zur Attraktivitätssteigerung des öff. Verkehrs führen
und zur Folge haben, daß ein "Zurücksteigen" vom Streß- und
Unfallrisikofaktor Auto auf die Bahn stattfindet.
Nachdem ca. 32% der Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden,
dienstlich sind (Männer: 40%, Frauen 23%), würde dies doch eine
deutlich merkbare Reduktion des Autoverkehrs ergeben. Zum Thema
Autoverkehr spricht Hausberger (2007), im VCÖ-Magazin 3/09 das
ernüchternde Faktum an, daß die Hälfte aller Autofahrten kürzer als
fünf Kilometer ist (vgl. S.12). Das (Elekro-)Fahrrad als (Ergänzungs-)
Verkehrsmittel wird anscheinend noch viel zu wenig wahrgenommen.
Einer meiner Bekannten meinte anläßlich der Bestandsfeier der
Ybbstalbahn bei den gleichzeitigen Protesten gegen die Einstellung,
daß sich Schienenersatzverkehre in Form von Autobussen ohnehin nur
beschränkte Zeit hielten und dann durch ein auf 3-4 (Schüler-)busse
reduziertes Angebot ersetzt würde, da die Pender/-innen dann bevorzugt
den Privat-PKW wählen, aus mehreren Gründen: Komfort- (Platz, WC),
Flexibilitäts- (weniger Verbindungen) und Mobilitätsverlust (keine
Möglichkeit der Fahrradmitnahme in Autobussen). In diesem Zusammenhang
darf ich auf den im Gesetzesentwurf 2005 eines neuen ÖPRNV-Gesetzes
fehlenden Paragraphen §7 hinweisen, wie er im dzt. gültigen
ÖPRNV-Gesetz von 1999 richtigerweise enthalten ist.
Ich ersuche Sie daher eindringlich im Sinne einer umweltgerechteren,
autofrei(er)en, multimodalen Mobilität, vielleicht den ein oder anderen
Gedankenanstoß aufzugreifen und sich - im Sinne einer bürgernahen,
zukunftsorientierten Politik - energisch für eine flächendeckend
gesicherte - d.h. staatlich verankerte - Zukunft des öffentlichen
Bahnverkehrs einzusetzen - nicht zuletzt auch für die Kinder der
heutigen Generation.
Das wünsche ich mir insbesondere für das Bundesland NÖ.
Ich bitte um schriftliche Stellungnahme.
Vielen Dank im Voraus, mit freundlichen Grüßen aus Krems/Stein,
Leonhard Huber
Sehr geehrter Herr Mag. Huber,
Vielen dank für Ihre E-Mail und dass Sie sich die Zeit genommen haben
uns zu schreiben.
Wir im Rathaus Krems sehen die Lage ähnlich gelagert wie Sie und
können Ihnen somit nur zustimmen. Gerne werden wir die vorgebrachten
Punkte bei der nächsten Gelegenheit mit den Fachkollegen im Land
besprechen.
Wir versichern Ihnen, dass die Erhaltung der Wachau- und der
Kamptalbahn ein großes Anliegen und sehr im Interesse der Stadt Krems
ist. Weiters verfolgen wir auch die Verbesserung der Anbindungen nach
Wien und St. Pölten, da wir der Meinung sind, dass man eine Bildungs-
und Kulturstadt wie Krems nicht von den wichtigen Verkehrswegen
abtrennen darf.
Noch einmal vielen Dank fürIhr Schreiben. Es ist für uns ein weiterer
Baustein zur Untermauerung unserer Forderungen gegenüber den ÖBB.
Herzliche Grüße
für die Bürgermeisterin
Birgit Leitner
Präsidialamt
Magistrat der Stadt Krems
Obere Landstraße 4
3500 Krems a. d. D.
T: +43(2732)801 219
F: +43(2732)801 224
praesidial@krems.gv.at
www.krems.gv.at
From: "Emmerich Gattinger" <gattinger@duernstein.at>
To: "'Leonhard Huber'" <huber@digiart.at>
Subject: Nicht gelesen: Flaechendeckende Sicherung des oeffentlichen
Bahnverkehrs
Date: Fri, 9 Oct 2009 07:57:53 +0200
MIME-Version: 1.0
Reporting-UA: gatemm.stadtgemeinde.local; Microsoft Office Outlook,
Build 11.0.6353
Final-Recipient: rfc822;gattinger@duernstein.at
Original-Message-ID: <4ACCE47C.8050109@digiart.at>
Disposition: manual-action/MDN-sent-automatically; deleted
Sehr geehrter Herr Huber!
Vielen Dank für Ihr e-mail an Frau Bundesministerin Doris Bures,
welche mich beauftragt hat, Ihnen zu antworten.
In den Medien ist immer wieder von "Zusperrplänen" bei
der Bahn die Rede; Tatsache ist, dass es keine Schließungslisten
gibt.
Tatsache ist aber auch:
Mit dem ÖBB-Rahmenplan und dem Konjunkturpaket wird so viel wie
nie zuvor in der Zweiten Republik in die Attraktivierung, Beschleunigung
und Erneuerung der Schiene investiert.
Der Bund bekennt sich ganz klar zu einem flächendeckenden,
qualitätsvollen und leistbaren Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln
("umfassende Mobilität"). Für günstigte Tickets (z.B. Schüler-
und Lehrlingsfreifahrt - gibt es in der Schweiz überigens nicht,
dort zahlt jede Familie das selbst-, günstige Zeitkarten, ...)
gibt der Bund jährlich über 1 Mrd. Euro aus. Wir wollen das
Angebot nicht nur erhalten, sondern noch weiter verbessern. Gleichzeitig
ist - gerade angesichts der schwierigen Ausgangssituationen (siehe oben)
- ein effizienter Mitteleinsatz notwendig.
Das heißt: Wir müssen den öffentlichen Verkehr weiter
ausbauen, aber gleichzeitig so effizient wie möglich gestalten.
Es ist die gemeinsame Aufgabe von Bund und den Ländern, denen
bei der Finanzierung des Nahverkehrs aufgrund der geltenden Rechtslage
(ÖPNRV G) weitgehende Kompetenzen zukommen, das bestmögliche
Angebot im Nah- und Regionalverkehr zu gewährleisten.
In dem Zusammenhang muss aber auch festgehalten werden, dass bestimmte
Bahnstrecken in erster Linie touristische oder regionalwirtschaftliche
Funktionen erfüllen. Ein sinnvoller Betrieb dieser Strecken ist
- wie erfolgreiche Beispiele in einigen Bundesländern (siehe Salzburg
mit der Lokalbahn bzw. Tirol mit Subai- und Zillertalbahn) zeigen -
nur mit einem klaren Bekenntnis und finanzieller Verantwortung des
jeweiligen Landes möglich.
Derzeit führt das Verkehrsministerium Gespräche, u.a. mit
dem Land Niederösterreich über die Finanzierung der Schmalspurbahnen
und der Nebenbahnen. Es wird nicht Strecke für Strecke verhandelt,
es wird eine Paketvereinbarung gesucht.
Unser gemeinsames Interesse ist es, das Angebot an öffentlichen
Verkehrsmitteln zu verbessern, NICHT einzuschränken. Denn wir wissen:
Weniger öffentlicher Verkehr heißt mehr Staub, mehr Lärm,
mehr Umweltschäden und mehr Unfalltote.
Wenn Sie den Vergleich mit der Schweiz bringen, dann müssen Sie
aber wirklich hinter die Kulissen schauen. Dort gibt es ein Kernnetz
(welches von der SBB betrieben wird) und die Kantonsbahnen. Diese werden
von den Kantonen und Gemeinden selbst betrieben und auch finanzielle
massiv gestützt. Der Bund fördert diese Bahnen abgestuft nach
der Finanzkraft des jeweilgen Kantons! Und es wurden in der Schweiz
sehr wohl Bahnen durch den Bus ersetzt, ganz sachlich und ohne Emotionen.
Ich hoffe Sie ausreichend informiert zu haben und verbleibe
Mit freundlichen Grüßen
Franz Hammerschmid
Mag. Franz Hammerschmid
_______________________________________________
Kabinett Bundesministerin Doris Bures
Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie
A-1010 Wien Stubenring 1
Tel.: +43 1 7116265 8013
Fax.: +43 1 7116265 8025
e-mail: franz.hammerschmid@bmvit.gv.at
Sehr geehrter Herr Huber,
es tut mir Leid, dass ich erst so spät reagiere. Ich war die letzten
Tage viel unterwegs.
Danke für Ihr ausführliches Schreiben, das ein "Pendler-Schicksal"
beschreibt. Ihren Ausführungen ist wenig hinzu zu fügen.
Der VCÖ setzt sich seit Jahren für einen besseren Öffentlichen
Verkehr ein. Die politischen Rahmenbedingungen sind hierzulande
allerdings deutlich schlechter als beispielsweise in der Schweiz. Dort
hat die Bevölkerung durch eine Volksabstimmung der Politik den Auftrag
gegeben, dem Öffentlichen Verkehr Vorrang einzuräumen. Und seit dem
wird investiert und die Schweizerinnen und Schweizer sind stolz auf
ihren Öffentlichen Verkehr.
In Österreich ist die Förderung des Öffentlichen Verkehrs nur
Lippenbekenntnis. Denn es wird bei jedem Euro, der in den Öffentlichen
Verkehr fließt auch gleichzeitig enorm viel Geld in den Autoverkehr
investiert, sodass die Bahninvestitionen relativiert werden.
Konkret fordert der VCÖ von der Politik ein Gesamtverkehrskonzept
für alle Verkehrträger ein (statt des bisherigen Generalverkehrsplanes,
der sich auf Bahn und Straße beschränkt und da nur eine Liste von
Großbau-Projekten ohne verkehrspolitische Vision ist), das von einer
gewünschten zukünftigen Mobilität als Zielvorgabe ausgehend, Maßnahmen
ableitet, die heute zu setzen sind. Dazu gehören im Bereich des
Öffentlichen Verkehrs unter anderem ein flächendeckender Taktfahrplan
und mehr und komfortablere Fahrzeuge für Bahnen und Busse.
Das wird aber nicht genügen, wenn nicht gleichzeitig Maßnahmen im
Straßenverkehr gesetzt werden. Lkw-Maut auf allen Straßen,
Variabilisierung der Pkw-Gebühren für Autobahnen, Änderung der
Stellplatz-Ordnung in den Raumordnungsgesetzen etc. sind nur Beispiele.
Dabei geht es nicht um das mutwillige Verteuern des Straßenverkehrs,
sondern zum einen um eine noch lange nicht gegebene Kostenwahrheit im
Straßenverkehr und zum anderen um eine Finanzierungsquelle der im
Öffentlichen Verkehr erforderlichen Investitionen.
Mir ist bewusst, dass Sie vieles von dem wissen. Der VCÖ setzt sich mit
seiner Lobbying-Tätigkeit für die Veränderungen der heutigen für den
Öffentlichen Verkehr schädlichen Rahmenbedingungen ein. Und das ist ein
sehr langwieriger Prozess, wo wir zwar erste Erfolge, doch noch lange
kein nachhaltiges Verkehrssystem haben. Mit unseren Publikationen,
durch unsere Veranstaltungen und in jedem einzelnen Gespräch, das wir
mit entscheidungsverantwortlichen Personen in Politik, Verwaltung,
Wissenschaft und Wirtschaft führen, versuchen wir Veränderungsschritte
herbei zu führen.
Das ist de VCÖ-Beitrag, um das Verkehrssystem auch in Ihrem Sinn voran
zu bringen. Doch der Weg ist lang.
Mit den besten Grüßen
Willi Nowak
PS: Diese Mail sende ich im cc an meinen Kollegen Christoph Hörhan,
damit auch er über Ihr Anliegen und meine Antwort informiert ist.
Bitte machen Sie sich auch am Weg über die VCÖ-website www.vcoe.at
ein Bild vom Einsatz des VCÖ.
Sehr geehrter Mag. Huber,
Herzlichen Dank für die Zusendung ihres Schreibens, ich werde ein paar
Gedanken einbringen, jedoch die Verkehrspolitik macht das Land und der
Bund:
Hier sind Institution wie das Verkehrsministerium, die
Verkehrsabteilung des Landes NÖ, die NÖVOG und auch der VOR (in Bezug
auf die Verkehrspolitik in NÖ, Bgl und Wien) gefordert, sich dieser
Problematik anzunehmen.
Im ÖPNV müsste man Maßnahmen treffen, die langfristig auch zu einer
Stärkung des ÖV im ländlichen Raum führen. Unter anderem wäre es
angebracht, Wege, wie in Deutschland einzuschlagen, wo knapp 1/3 des
ÖPNV auf der Schiene durch Dritte erbracht werden.
Es gibt vor allem Unternehmen wie Veolia oder Arriva, um nur zwei große
Akteure im SPNV zu nennen, die seit Jahren in vielen Ländern Europas
zeigen, dass nicht nur die ehemaligen Staatsbahnen erfolgreich
SPNV-Leistungen erbringen können.
In Österreich gibt es bereits positive Projekte, siehe die Übernahme
der von der Einstellung bedrohten Pinzgauer Lokalbahn
(www.pinzgauerlokalbahn.at) durch die SLB, die sogar die seit Jahren
durch das Hochwasser eingestellte Strecke von Mittersill nach Krimml
bis 2010 wieder aufbaut. Unter der ÖBB gäbe es dort wahrscheinlich
keinen SPNV mehr. Jetzt wird auch wieder GV auf 760 mm gefahren. Es
zeigt, dass auch in Österreich ein anderer Weg als Reduktion des
Angebotes möglich wäre.
Bezüglich Kamptalbahn wäre anzumerken, dass die Aktionsgemeinschaft IG
PRO Kamptalbahn seit Jahren für eine Attraktivierung des Angebotes für
die gesamte Bahnstrecke sich einsetzt, hier ist die Gemeinde Gars und
vorwiegend die SPÖ-Gars mit Josef Wiesinger sowie Fritz Wiesinger
massiv aktiv, das Angebot im Kamptal zu sichern und stetig zu
verbessern. Leider ist es im Kamptal wie an so vielen anderen Strecken,
problematisch, die Politik für den ÖV zu gewinnen.
Für 2010 ist der Kamptalbahn-Fahrplan jedoch gesichert, darüber hinaus
bleibt abzuwarten, wie sich die Regionalbahn-Strategie entwickelt. Von
den Fahrgastfrequenzen ist das Kamptal sicherlich in der Mitte
einzuordnen, die Zahl der Pendler ist im Gegensatz zu anderen Linien
beträchtlich höher. Es bleibt zu hoffen, dass mittels eines guten
Angebotes auch die Auslastung steigen wird. Angebot schafft eben
Nachfrage, wobei man Marketingstrategien nie außer Acht lassen darf.
Mit freundlichen Grüßen
Paul G. Liebhart
Sehr geehrter Herr Huber,
mit Freude hab ich Ihre Botschaft vernommen und bedanke mich sehr
herzlich für die Unterstützung der Nebenbahnen (Schreiben BM Doris
Bures). Wie Sie richtig schreiben ist die Kostendeckung natürlich bei
der Kamptalbahn nicht gegebnen, aber aus ökologischer und
volkswirtschaftlicher Sicht unverzichtbar.Mit der Plattform
"Kamptalbahn" versuchen wir seit dem Jahre 2008 eine Möglichkeit zu
bieten um Vorschläge, Wünsche, aber auch Beschwerden zu sammeln und an
die zuständigen Stellen weiterzuleiten. Eine Änderung des Fahrplanes
2008-209 war ein erster, kleiner Erfolg. Der Fahrplan 2009-2010 ist aus
heutiger Sicht gut gelungen und beinhaltet alle uns bekannten Wünsche
(Ausnahme Rosenburg - noch nicht geklärt ob und wie der Frühverkehr
eingebunden wird).
Nochmals herzlichen Dank für Ihr Engagement.
Geschäftsführender Gemeindrat
Marktgemeinde Gars am Kamp
KR Josef Wiesinger
Sehr geehrter Herr Huber!
Zunächst einmal darf ich mich sehr herzlich bei Ihnen im Namen von
LHStv. Dr. Sepp Leitner für Ihre Anfrage bedanken. LHStv. Dr. Sepp
Leitner setzt sich energisch für den Erhalt der NÖ Nebenbahnen ein. Im
Grundverständnis der SPÖ NÖ hat die öffentliche Hand einen sogenanten
"Staatszweck" zu erfüllen. Dieser Staatszweck beinhaltet unter anderem
auch die Zurverfügungstellung von öffentlichen Verkehrsmitteln.
Darum dürfen auch Unternehmen wie die Bahn, etc... nicht privatisiert
werden. Der wirtschaftliche Gedanke allein darf nicht bei der
Schließung von Nebenbahnen zur Beurteilung herangezogen werden. In
Zeiten in denen die Menschen immer älter werden und daher gerade in
ländlichen Gegenden auch immer mehr auf öffentliche Verkehrsmittel
angewiesen sind, muss eine flächendeckende Infrastruktur unserer
Meinung nach gewährleistet werden.
Wie kommt z.B.: eine alte Dame, die in XY am Land wohnt zum Doktor im
nächsten Ort? Oder zum Einkaufen? Zur Apotheke? Zur Post? Etc...
Dort wo die Bahn die Nebenbahnlinie einstellt, wird auch nicht
unbedingt der Postbus voll ausgelastet sein. Zur Zeit der
Schülertransporte schon, da sind die Busse dann überfüllt, da kann die
alte Dame (in unserem Beispiel) nicht mal sitzen, weil kein Platz mehr
ist und danach?
Danach fährt vielleicht auch kein Bus mehr, da es sich wirtschaftlich
nicht rentiert. Diese Politik ist nicht im Sinne der SPÖ
Niederösterreich!
LHStv. Dr. Sepp Leitner hat daher eine Pendlerhotline ins leben
gerufen, bei der auch schon hunderte Anfragen eingelangt sind.
Diese Anfragen werden gesammelt, an die dafür zuständigen Stellen
weitergeleitet, der AKNÖ übermittelt - die bei der Fahrplanerstellung
der ÖBB mit beratender Stimme dabei ist und zur Unterstützung der
PendlerInnen hat er den öffentlichen Druck auf die Bahn verstärkt.
Inhaltlich kann er den ÖBB natürlich keine Weisungen erteilen, da er
dafür politisch nicht zuständig ist.
Er hat aber auch bereits der Frau Bundesministerin Bures seine Bedenken
gegenüber der Einstellung von Nebenbahnen und der Verschlechterung des
ÖBB Fahrplanes in persönlichen Gesprächen mitgeteilt.
Für den Erhalt der NÖ Nebenbahnen ist eine Einigung zwischen
ÖBB und Land NÖ (= mit der Politik - in NÖ absolut in ÖVP Händen
- 54% der Stimmen bei der letzten Landtagswahl) notwendig.
Einiges konnte LHStv. Dr. Sepp Leitner bereits verbessern, aber es
gibt noch viel zu tun, wir bleiben (im Rahmen unserer bescheidenen
Möglichkeiten) am Ball...
Herzlichst
Thomas Gundacker
Sehr geehrter Herr Mag. (FH) Huber! Herr Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll und Herr Landesrat Mag. Johann
Heuras haben uns, als zuständige Fachabteilung des Amtes der NÖ
Landesregierung, Ihr Schreiben betreffend flächendeckende Sicherung des
öffentlichen Bahnverkehrs übermittelt und uns beauftragt, Sie direkt zu
informieren.
Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Land NÖ seit dem Jahr 1996
Verkehrsleistungen des Schienennahverkehrs bei den Österreichischen
Bundesbahnen Personenverkehr AG (ÖBB PV AG) bestellt und auch bezahlt,
womit die Strecken nicht nur nach rein marktwirtschaftlichem Kalkül der
ÖBB befahren werden.
Grund für die von Ihnen angesprochenen Streckeneinstellungen und
Langsamfahrstellen ist die zunehmend verfallende Bahninfrastruktur der
Regionalbahnen, wobei festzuhalten ist, dass sowohl Instandhaltung als
auch Finanzierung der Schieneninfrastruktur zur Gänze in die
Zuständigkeit der ÖBB und des Bundes fallen.
Das Land NÖ hat zu den immer häufiger auftretenden Langsamfahrstellen
ganz klar seine Position kund getan: durch die Langsamfahrstellen
können die bestellten Fahrpläne nicht mehr eingehalten werden – es
wurden daher ein Teil der Zahlungen aus dem Regionalbahnvertrag
eingefroren, bis eine Perspektive für eine Verbesserung der Situation
besteht.
Betreffend die von Ihnen angesprochene großflächige Einstellung von
Schmalspurbahnen in Niederösterreich, können wir Ihnen mitteilen, dass
das Land NÖ mit dem Bund und der ÖBB derzeit über eine Übernahme der NÖ
Schmalspurbahnen durch das Land verhandelt.
Ein positives Ergebnis wird jedoch nur möglich sein, wenn auch der Bund
bereit ist, die in der Vergangenheit vernachlässigte Instandhaltung der
Strecken durch die ÖBB finanziell voll abzugelten.
Die Nebenstrecken werden auch in Niederösterreich als wichtige
Zubringer zu den Hauptstrecken gesehen, wobei es noch zu beurteilen
gilt, ob die Zubringerfunktion in einzelnen Fällen nicht effizienter
und wirtschaftlicher mit Bussystemen erbracht werden kann. Das
bedeutet, dass Investitionen sowohl in die Schienen- als auch in die
Straßeninfrastruktur notwendig sind.
Betreffend die von Ihnen zitierten Zahlen der neuen Mobilitätsstudie,
wo darauf hingewiesen wird, dass die Hälfte aller Autofahrten kürzer
als fünf Kilometer ist, ist zu sagen, dass das Land Niederösterreich
insbesondere aus diesem Grund den Alltagsradverkehr mit Hilfe der
Initiative RADLand forciert.
Zu der von Ihnen angesprochenen Situation der Ybbstalbahn können wir
Ihnen mitteilen, dass das Land Niederösterreich in der Vergangenheit
immer seinen Beitrag zur Erhaltung der NÖ Regionalbahnen und damit
auch der Ybbstalbahn geleistet hat. So werden – wie oben erwähnt –
seit dem Jahr 1996 sämtliche Verkehrsdienstleistungen auf diesen
Bahnen bei den ÖBB bestellt und auch bezahlt. Darüber hinaus hat sich
das Land angesichts des schlechten Erhaltungszustandes der
Infrastruktur im sogenannten "Gösingvertrag" freiwillig verpflichtet,
speziell für die Schmalspurbahnen auch einen finanziellen Beitrag zu
ihrer infrastrukturellen Ertüchtigung zu leisten. Hätten auch die
Eigentümer ÖBB und Bund in der Vergangenheit derart verantwortungsvoll
gehandelt, wäre die nun wieder aufgeflammte Einstellungsdiskussion
eigentlich nicht notwendig.
Niederösterreich nimmt seine Verantwortung für den Öffentlichen
Verkehr sehr ernst und entwickelt zur Verbesserung der
Mobilitätsverhältnisse nun schrittweise für alle Landesteile
Buskonzepte, welche die Grundversorgung der Bevölkerung mit
Öffentlichen Verkehr sicherstellen sollen. Buskonzepte deshalb, da es
gilt, eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen, die von
Bahnlinien grundsätzlich nicht gewährleistet werden kann. Dort wo es
funktionierende Bahnlinien gibt, werden diese selbstverständlich in das
regionale Mobilitätskonzept integriert.
Wenn ein solches Bussystem eingeführt wird, handelt es sich somit nicht
um einen Schienenersatzverkehr sondern um ein umfangreiches
Mobilitätskonzept, dessen Weiterbestand durch das Land NÖ langfristig
sichergestellt ist.
Wir hoffen, Ihnen mit diesem Schreiben die Situation erklärt zu haben
und stehen für weitere Fragen gerne zur Verfügung.
Ergeht an:
1. Büro LR Heuras
2. Dr. Elisabeth Seidl, Büro LH Pröll
NÖ Landesregierung
Im Auftrage
Dipl.-Ing. H i l l e r
elektronisch unterfertigt
Sehr geehrter Herr Mag. Huber!
Lassen Sie mich zunächst um Nachsicht für meine verspätete
Antwort auf Ihre Nachricht bitten.
Es freut mich, in Ihnen einen sehr treuen Bahnkunden zu haben, und ich
möchte Ihnen gerne meine Überlegungen zu den von Ihnen dargelegten
Themen mitteilen.
Als Anbieter von Bahnleistungen ist es selbstverständlich mein
Ziel, die größtmögliche Zahl von Kunden zu erreichen.
Dabei muss ich aber im Auge behalten, dass der Schienenpersonenverkehr
auf drei finanziellen Säulen ruht, durch die er im Gleichgewicht
gehalten werden muss. Diese drei Säulen sind die Erlöse aus
Ticketverkäufen, die Grundförderung des Bundes für das
sogenannte "Grundangebot" und allenfalls vorliegende Zusatzbestellungen
von Ländern oder Gemeinden.
Wenn man die drei Finanzierungssäulen im Fall des Bundeslandes
Niederösterreich betrachtet, so wird klar, dass eine Ausweitung
des Angebots, die in aller Regel nicht durch Ticketerlöse finanziert
werden kann nur durch finanzielle Unterstützungen des Landes oder
einer anderen Institution möglich gemacht werden können. Darüber
verhandelt die ÖBB-Personenverkehr AG seit Mai diesen Jahres intensiv
mit der niederösterreichischen Landesregierung und der NÖVOG.
Unser Ziel ist jedenfalls das Angebot zu halten bzw. zu verbessern und
nicht zu reduzieren.
Allerdings müssen wir die Gegebenheiten der Infrastruktur
berücksichtigen und zur Kenntnis nehmen, dass die für Erhaltung und
insbesondere Erneuerung von Schienenanlagen verfügbaren Mittel begrenzt
sind und daher dort eingesetzt werden müssen, wo sie den größtmöglichen
Nutzen bewirken. Unser Schwesterunternehmen, die ÖBB-Infrastruktur
AG arbeitet dazu langfristige Strategien und Maßnahmenreihen aus,
durch die ein langfristig in kundengerechter Qualität betreibbares
Schienennetz abgesichert werden kann. Es wäre meiner Ansicht nach
nicht zielführend, ein möglichst großes Netz in einer immer schlechter
werdenden Qualität zu akzeptieren.
Durch eine abgestimmte Entwicklung von Infrastruktur und
Verkehrsdiensten kann es auch in Österreich gelingen, dem Muster der
Schweiz zu folgen und ein integriertes, benutzerfreundliches System des
öffentlichen Verkehrs zu organisieren. Wie das Beispiel der Schweiz
zeigt, bedarf es dazu jedoch einer koordinierten Planung über Jahrzehnte
hinweg.
Vieles davon wurde bei uns im Projekt PLAN 0912 zugrundegelegt und wir
sind überzeugt, damit auf dem richtigen Weg zu einem attraktiven
Schienenverkehr als Rückgrat des öffentlichen Verkehrs zu sein.
Gelingen kann ein solches Vorhaben aber nur, wenn es uns gelingt,
Bahnfahren als Mobilität mit Lebensqualität zu präsentieren. Auch
dazu ist noch einiges zu tun. Von meiner Seite gilt es natürlich,
mein Möglichstes zu tun, um pünktliche und saubere Züge mit attraktiven
Fahrzeiten anzubieten und die Fahrgäste mit einer durchgängigen
Informationskette zu versorgen. Sie können mich dabei unterstützen,
indem Sie Ihre positiven Erfahrungen weitererzählen und Ihre negativen
Erfahrungen in unser Beschwerdemanagement einzubringen, damit wir
wissen, wo und wie genau wir besser werden müssen.
Abschließend wünsche ich Ihnen ein frohes Weihnachtsfest
und alles Gute im neuen Jahr und hoffe, Sie als Bahnkunden wieder und
mehr für unser Unternehmen begeistern zu können.
Mit freundlichen Grüßen
Klaus Garstenauer
***************************************
Mag. Klaus Garstenauer
Leiter Nah- und Regionalverkehr
ÖBB Personenverkehr AG
Wagramer Straße 17-19
1220 Wien
Tel. 01-93000-33165
Mob. 0664-884 22 858
Klaus.Garstenauer@pv.oebb.at
www.oebb.at
***************************************
URL: http://
www.digiart.at/huber/zukunft_bahn.php , printable
version
Erstellt am 27. 10. 2009,
Letztes Update: 21. Dec. 2009
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