Neuigkeiten, Rezensionen und Gedankensplitter

 Wachaubahn-Symposium - ÖV-Forcierung (Schiene)

Freitag vor zwei Wochen fand ein Geburtstagssymposium - "100 Jahre Wachaubahn" an der Donau-Universität statt. Zu später Stunde - von 19-22 Uhr - wurden insgesamt 16 Reden/Vorträge zugunsten der Jubilarin gehalten, die vom inhaltlich tlw. nicht sehr fundiert informierten Landesrat Heuras als "Alte Dame in der Pflegestufe 6-7" bezeichnet wurde. Tatsächlich weist die Gleisinfrastruktur zahlreiche Langsamfahrstellen auf, das Problem liegt doch darin begründet, daß das Land NÖ lt. offizieller Haltung Autobahnprojekte gefährdet gesehen hätte, hätte es die Instandhaltung der ÖBB-Gleisinfrastruktur seitens des Bundes (BMVIT) eingefordert. Folgendes Zahlenverhältnis gibt in ernüchternder Weise Einblick in die (geringe) Priorität, die Bahnstrecken nicht nur seitens der ÖBB eingeräumt wird:

So sollen im Waldviertel ab 2011 sagenhafte 827 Mio. EUR in den Straßenbau für Ortsumfahrungen fließen - wozu? - statt den öffentlichen (Schienen-)verkehr einmal wirklich zu forcieren. Geht man von einer (geschätzten) Quote von 7,5% ÖV-Benutzern aus, so ergäben sich bei 827 Mio. EUR immerhin 62 Mio. EUR für den öffentlichen Schienenverkehr und nicht gerade einmal im Vergleich dazu lächerlich anmutende 17 Mio. EUR (dazu gab es einen Bericht auf noe.orf.at).

Ist das Land NÖ nur ein Land für dem Wein zugeneigte, unbeirrbaren Autofahrer? Wann wird sich das Motto "Brot und Spiele für das Volk" von selbst entlarven? Die Politik könnte explizit gegensteuern - wenn sie nur wollte. Aber der Klimawandel wird seitens der konservativen Politik negiert bzw. abgeschoben ("Klimaschutz ist Aufgabe für China und Indien, aber sicher nicht für Österreich") - damit verbauen die NÖ-Politiker das Bundesland im wörtlichen Sinne - in einer Art und Weise, die keine Zukunft hat (vgl. weiter unten).

2009-12-15

 Unterwegs mit dem Zug - Fahrplan 2010

Man wird an alte Zeiten erinnert: So wird der REX 7103 (Abfahrt Krems/Donau um 5:21) - dankenswerter Weise - wieder als alte Schnellbahngarnitur geführt, was eine bessere Durchlüftung und teilweise angenehmere Sitze garantiert. Zum vollständigen "Glück" fehlt jedoch ein g'scheites Laptop-Tischerl. Ansonsten ist es sehr angenehm, wieder umstiegsfrei nach Wien Heiligenstadt unterwegs zu sein.

Schade ist, daß die Anschlußzüge von Krems nach St. Pölten nicht mehr angepaßt sind - eine Neuerung des letzten Fahrplanes. Was insbesondere abgeht, war auch die sehr innovative Idee von Direktzügen nach Payerbach-Reichenau und retour. So ist es zwar nun möglich, in grob 2:10-2:30 Std. von Krems nach Wr. Neustadt (und retour) zu fahren, allerdings nun mit 3-4 Umstiegen. Die Idee eines Direktzuges der 2 Stunden unterwegs war, war gut, und könnte wieder angedacht werden: z.B. als Anschluß-REX in Absdorf-Hippersdorf, der seinerseits (in Stockerau) auf einen REX-Zug nach Retz abgestimmt sein könnte - soviel zur Theorie.

Was die Praxis betrifft, so hoffe ich - und werde selbst daran mitarbeiten - daß sich u.a. durch Diskussionen von probahn.at mit dem ÖBB-PV fruchtbare Verbesserungen ergeben werden.

2009-12-15

Klaras Geburtstag

Klara feierte am vergangenen Sonntag (29.11.2009) ihren 4. Geburtstag. Und eine Runde lieber Freunde aus dem Waldviertel feierte mit. Ziemlich zeitgleich lag auch der 5. Geburtstag von Heidi (Berger) - wir feierten beide Geburtstage gemeinsam.


2009-11-29

Virus Auto. Die Geschichte einer Zerstörung - Buchrezension

Ich habe mir heute (Montag) Mittag ein bedeutsames Buch besorgt, von dem ich u.a. durch die neueste GEA-Zeitschrift "Brennstoff" erfahren habe. Hermann Knoflacher, gebürtiger Kärnter, ist Professor für Verkehrsplanung an der TU Wien und bekennender Autokritiker.

Interessanterweise habe ich in diesem Buch u.a. den (wahren) Grund für den Bau der neuen Nordautobah A5 erfahren: Fürst Schwarzenberg möchte sein Holz aus den tschechischen Besitztümern möglichst günstig nach Italien transportieren können, in diesem Sinne dienen Poiltik und Wirtschaft derzeit als Erfüllungsgehilfen der Privilegienherrschaft "gut Betuchter". (vgl. S. 73).

Nachfolgend habe ich hier einige sehr deutlich-exemplarisch seine Haltung / seinen Zugang zum Thema darlegenden Zitate angeführt.

Auf S. 86 verweist Knoflacher auf den Paragraphen §43 der StVO, in dem sinngemäß enthalten ist, daß die Sicherheit der Anrainer im Vordergrund zu stehen hat:

"(...) die Lage und Widmung oder Beschaffenheit eines an der Straße liegenden Gebäudes oder wenn und insoweit es die Sicherheit eines Gebäudes oder Gebietes und/oder der Personen, die sich dort aufhalten, erfordert,
1. dauernde oder vorübergehende Verkehrsbeschränkungen oder Verkehrsverbote, insbesondere die Erklärung von Straßen zu Eisenbahnstraßen [!], Maß-, Gewichts- oder Geschwindigkeitsbeschränkungen, Halte- oder Parkverbote und dergleichen zu erlassen,
2. den Straßenbenützern ein bestimmtes Verhalten vorzuschreiben, insbesondere bestimmte Gruppen von der Benützung einer Straße auszuschließen oder sie auf besonders zu bezeichnende Straßenteile zu verweisen."

Knoflacher widmet sich den Themen Abgas- und Lärmbelastung im Detail:

"Lärm transportiert Informationen schneller ins Gehirn als das Auge und löste dort Reaktionen aus, die beim Schlafen zu einem erhöhten Adrenalinausstoß führen, der - wenn er nicht umgesetzt wird - zur Erhöhung des Blutdrucks, zur Gesundheitsstörung bis hin zum Tod führen kann. Das ist medizinisch längst nachgewiesen. (...) Die Straßenverwaltungen in Österreich akzeptieren Lärm überhaupt erst als störend, wenn er tagsüber den Wert von 65 dB(A) und in der Nacht von 55 dB(A) überschreitet. Damit Autofahrer auch in der Nacht ungehindert lärmen können, nimmt man schwere gesundheitliche Schädigungen der Bevölkerung in Kauf." (S. 93, Abschnitt "Erste Wahrnehmungen von Zerstörung")
"Autofahrer, die in hohen Konzentratioen von Schadstoffen im Auto sitzen, merken es überhaupt nicht, weil der Anstieg der Schadstoffe in der Innenkabine langsam und damit unter der Wahrnehmungsgrenze erfolgt."
(S. 98, Abschnitt "Abgase: der unsichtbare Tod")
"Es sind übrigens die Lungen, die in vielen städtischen Straßen die einzigen Filter sind, um die Schadstoffe aus der Luft zu holen, weil man die Bäume, die früher dazu beigetragen haben, die Luft reinzuhalten, beseitigt hat, um Platz für parkende Autos zu schaffen. Langsam beginnt man in den Städte umzudenken und pflanzt wieder Bäume, dafür entfernt man die Alleen im Freiland, um Fahrbahnen zu verbreitern." (S. 101)
"Die Natur reagiert auf die permanenten Eingriffe zunächst gelassen mit Elastizität - aber in der Folge immer konsequent: Wir können uns noch auf einiges gefasst machen. Was man mittlerweile erkannt hat, ist die Änderung des Klimas als Folge der maßlosen Emmission von CO2 und anderen klimaschädlichen Gasen. Hier ist die Zerstörung nicht mehr aufzuhalten, (...) Der Autoverkehr ist einer der Hauptverursacher der Klimaänderung und überhaupt nicht gewillt oder bereit, sein Verhalten zu ändern. Die Faszination Auto macht den Menschen blind für die Zukunft." (S. 104)
"Würde man die Fahrbahnen aller Wegenetze für den Autoverkehr in Österreich als Raster über das Land legen, die Maschenweite dieses Netzes wäre bereits kleiner als 300 Meter." (S. 104)

Ingesamt sterben jährlich an die drei Millionen Menschen an den direkten und indirekten Folgen des Autoverkehrs. Der ökologische "Fußabdruck", den der Betrieb eines Autos mitsichbringt muß eigentlich um die Emissionen, die bei dessen Produktion anfallen, erweitert werden. (vgl. S. 107).

"DIe in der niederösterreichen Bauordnung festgelegten [Wege]-Querschnitte etwa erfüllen die Bewegungsbedürfnisse der Fußgänger überhaupt nicht, die der Autofahrer aber weit über 100%. Menschen reagieren auf die Umwelt ebenso intelligent wie Tiere. Mit dieser Bauordnung und diesen Richtlinien werden Fußgänger ausgerottet und Autofahrer erzeugt: Das Auto zerstört menschliche Formen der Mobilität und ersetzt sie durch unmenschliche." (S. 113)

Ich mußte schmunzeln, als ich auf der nächsten Seite (114) über ein bislang unge/beschriebenes Faktum folgendes las:

"Zwar klagen Mütter und Väter über die eingeschränkte Bewegungsfreiheit Ihres Nachwuchses, wenn es aber darauf ankommt, ist ihnen die Freiheit, ihr Auto uneingeschränkt zu nutzen immer noch wichtiger als die sichere Mobilität ihrer Nachkommen, und sie begründen nicht selten die Autobenützung damit, die Mobilitätsbedürfnisse ihrer Kinder erfüllen zu müssen. [!]"

Abschließen möchte ich (vorläufig) mit folgendem Zitat von S. 115:

Die Reisezeit ist offensichtlich eine Konstante menschlichen Verhaltens. Allgemeine Geschwindigkeitserhöhung führt also nicht zur Zeitverkürzung, sondern nur zur Wegverlängerung. Es ist geradezu eine teuflische Täuschung, Zeitverkürzung vorzugaukeln, für die die Menschheit die Natur zerstört, fossile Energieressourcen undwiederbringlich und zum Schaden von Umwelt, Mensch und Klima vergeudet, ohne zu erreichen, was man eigentlich möchte, nämlich Zeiteinsparung. Doch damit ist es nicht getan. Hat sich ein System einmal auf höhere Geschwindigkeiten eingestellt, ist es auf den ständigen Zustrom von billiger Energie angewiesen. Die Menschen in diesem System sitzen in der Falle, wenn diese Energie nicht mehr so billig oder überhaupt nicht mehr zur Verfügung steht.

(Fortsetzung/Überarbeitung folgt)

Knoflacher, Hermann (2009): Virus Auto. Die Geschichte einer Zerstörung. Wien (Ueberreuter)
2009-11-25, Aktualisierung: 2009-12-02

 Zukunft Bahn

Auf mein Schreiben betr. Aufrechterhaltung der regionalen Schieneninfrastruktur und der entsprechenden Personen-Regional-Verkehrsdienstleistungen vom 7.Okt.2009 habe ich bis dato insgesamt 10 Antworten/Schreiben erhalten. Geantwortet haben mir:

  • Präsidialamt der Stadt Krems/Donau
  • Kabinett der Bundesministerin Doris Bures
  • Verkehrsclub Österreich
  • Initiative "pro Kamptalbahn", Hr. Paul G. Liebhart und GR Josef Wiesinger (Gars/Kamp)
  • SPÖ NÖ, Hr. Thomas Gundacker i.V. v. Sepp Leitner
  • NÖ Landesregierung, Büro LR Heuras
  • BMVIT Abt. VI/INFRA8 (Büro Monitoring ÖPNRV)
  • ÖBB Personenverkehr AG, Leiter Nah- und Regionalverkehr Hr. Mag. Klaus Garstenauer

Die letzten beiden Stellungnahmen stammen von Herrn Mag. Garstenauer (ÖBB PV AG) vom 18.Dez.2009 und vom BMVIT, datiert mit 14.Nov.2009. Ich möchte habe die Antwortschreiben auf einer eigenen Seite gesammelt: Zur Seite Zukunft Bahn.

Mehr Informationen auch unter: probahn.at
2009-12-21

 Der Plastic Planet, "der sich noch immer dreht"...

Gestern habe ich im Kino im Kesselhaus (Krems) eine Spezial-OmU-Vorführung des österreichischen Dokumentarfilms Plastic Planet (Regie: Werner Boote, 2008) gesehen; die rein faktenorientierte Dokumentation, die Boote sicher z.T. zur eigenen Vergangenheitsbewältigung begonnen hat - sein (Groß-)Vater? war seit den 1950er Jahren in leitender Funktion in der Plastik-Industrie tätig - der Film hätte ernüchternd-drastischer kaum ausfallen können.

Dabei bestürzt insbesondere, mit welcher Hartnäckigkeit von der Industrie zusätzliche Inhaltsstoffe (meist Weichmacher), wie Phtalate, am weitesten verbreitet hier Biphenyl A zum Einsatz kommen. Nun habe ich den (wissenschaftlichen) Beweis, weshalb ich unlängst bei einer Besprechung zu recht auf das servierte Mineralwasser (aus kleinen Plastikflaschen) geschmacklich angewidert reagierte. Weshalb innerhalb Wiens überhaupt Mineralwasser serviert wird - gibt es doch das ausgezeichnete Hochquellenwasser - ist mir ein Rätsel, jedoch ein anderes Kapitel.

Kurzum: abgesehen von der Tatsache, daß in Wien die europäische Zentrale der Plastik-Industrie angesiedelt ist (Fa. Borealis), arbeitet allein in Europa eine Million (!) Menschen in dieser Branche. Neben Störungen des Hormon-Haushalts, die nachweislich zu Veränderung von Physiologie und verminderter Fortpflanzungsfähigkeit, sowie dem Risiko zu genetischen Schäden führen können, ist Plastik z.T. Asthma-Verursacher oder kann zu Krebs führen.

Erschütternd ist, daß die Verpackungsindustrie, welche die Lebensmittelindustrie beliefert, nicht dazu verpflichtet ist, die Inhalts- bzw. Zusatzstoffe (im Detail) anzugeben. Während des Autofahrens im speziellen an heißen Tagen können sich z.B. Weichmacher aus der Innenverschalung der Karrosserie lösen, und über Haut- und Atemwege aufgenommen werden - Plastikzusätze sind wahrlich allgegenwärtig, auch als Zusatzstoffe in manchen Lebensmittel-Konservierungsmitteln. Ein weiterer Punkt, bei dem deutlich wird: gefährlich ist Plastik aufgrund der in der Herstellung dem Erdöl beigegebenen Zusatzstoffe, die Materialeigenschaften, etwa Verformbarkeit und Reißfestigkeit ermöglichen.

Derzeit werden auch schon Plastik-Ersatzmaterialien (Bio-Plastik) entwickelt, deren Material aus organischen Stärke-Molekülen (Zuckerrohr, Mais) besteht. Am nachhaltigsten erscheint es jedoch m.E. auf (gebrauchte) Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände, sonstige HIlfsmittel aus bewährten, nachweislich unschädlichen Materialien wie Holz, Glas, Ton oder geeigneten (emaillierten) Metallen zurückzugreifen.

Das Müllproblem durch Plastik ist gigantisch: In Ozeanen betrug Ende des 20. Jhdts. das Verhältnis von Plastik zu Plankton 6:1, an dem am stärksten belasteten Stellen bis zu 60:1. Plastik braucht bis zu 500 Jahre um zu verrotten, ob es dann noch Leben auf dem Planeten gibt, fragt sich der Regisseur Werner Boote zu recht... Zumindest unseren Kindern und auch nachfolgenden Generationen ist mit einer zumindest großteiligen Abwendung von Plastik(verbund)stoff gedient: Kleidung, Küchengeräte, Spielzeug, Möblage,... Ach ja, ich sitze gerade vor einem Plastik-Teil ... einem Laptop :-(

Website zum Film: Plastic Planet
2009-11-09

Zukunft Bahn!

Im Laufe des Oktober 2009 habe ich folgende E-Mail an unterschiedliche Entscheidungsträger im Land NÖ, die ÖBB sowie Fahrgastvertretungen - mit der Bitte um Stellungnahme - versandt. Hatte ich von Seiten des Infrastrukturministeriums, der Stadt Krems sowie dem VCÖ binnen kurzer Zeit Antworten, so lassen Stellungnahmen seitens des Landes NÖ nachwievor auf sich warten. Der E-Mail-Text im Wortlaut:

S.g. Frau Bundesministerin Bures, s.g. Herr Dr. Nowak, s.g. Hr. 
Dipl.-Ing. Knoll, s.g. Herr Mag. Garstenauer, s.g. Hr. Landeshauptmann, 
s.g. Hr. Univ.Prof. Zibuschka, s.g. Hr. Landesrat Heuras, s.g. Hr. 
Landesrat Sobotka, s.g. Bürgermeister!

Ich darf mich an Sie wenden betreffend die Thematik Ausgestaltung und 
Forcierung des öffentlichen Zugverkehrs, speziell in Niederösterreich.

Als im Waldviertel wohnender und in Wien 19 arbeitender Bürger bin ich 
in den letzten Jahren "pendelgeprüft". Meine Familie ist insgesamt 
gerne mit der Bahn unterwegs (ÖsterreichCARD Familie), ich im 
speziellen habe jedoch - derzeit zwar noch nicht direkt (meine Familie 
hat einen Umzug in die Nähe von Gars/Kamp geplant) - das Damokles-
schwert der Nebenbahneinstellungen ständig im Hinterkopf (Wachaubahn 
und Kamptalbahn).

Zum Glück sind die beiden genannten Strecken keine Schmalspurstrecken, 
denn sonst wäre deren Schicksal wohl schon längst beschlossen.

Selbstverständlich wäre es mir möglich, meinen Wohnsitz näher zum 
Arbeitsplatz in Wien zu verlegen, um der Problematik auszuweichen. 

Dies wiederum wäre einerseits eine Kostenfrage zusätzlich zu 
persönlichen Vorlieben, andererseits zeigt dies für mich aber eine 
prinzipielle Unausgewogenheit der Maßnahmen in der Verkehrspolitik. 
Weshalb für den öffentlichen Schienenverkehr trotz avisiertem 
2/3-Budget-Anteil laut österreichischem Generalverkehrsplan tatsächlich 
nur etwa die Hälfte an Budgetmitteln einfließt, ist mir unerklärlich! 
(vgl. http://www.vcoe.at/start.asp?b=88&ID=3057)

Einerseits wird von St.Pölten über den Bahnhof im Tullnerfeld nach Wien 
Hbf. eine Hochleistungsstrecke mit sehr hohen Spitzengeschwindigkeiten 
gebaut; andererseits jedoch wird der öffentliche Bahnverkehr 30-50 km 
nördlich von St.Pölten schrittweise immer mehr "ausgehungert" (Wachau, 
Kamptal).
        
Was ich hierbei in keiner Weise nachvollziehen kann ist, weshalb der 
öffentliche Personentransportauftrag bei einem prozentmäßig kleinen 
Anteil an den Transportdienstleistungen der ÖBB unbedingt 
wettbewerbsfähig auf einem geöffneten Markt sein muß.
Hingegen schiene mir das Ernstnehmen einer bewußten Querfinanzierung 
der Nebenstrecken durch die gewinnbringenden Hauptverbindungen 
zielführend, anstatt nur betriebswirtschaftlich zu denken. So wäre ein 
Abwarten auf einen Felssturz od. eine Überschwemmung kein 
"willkommener" Einstellungsgrund für die eine bzw. die andere 
Nebenbahnstrecke mehr.
		  
So habe ich oftmals bereits gelesen und gehört, daß die Stadt Wien 
weltweit das am besten ausgebaute öff. Verkehrmittelnetz aufweist. 
Jetzt frage ich mich im Umkehrschluß, ob sinkenden Fahrgastzahlen am 
Land mit einer tlw. durch die einzelnen Länder vom Bund nicht 
eingeforderten Streckensanierungsarbeiten zu tun haben. Außerdem 
ist bereits tlw. eine Trendumkehr der Landflucht zu erkennen.
		  
Wie ich der Homepage probahn.at entnehmen konnte, ist dzt. seitens der 
ÖBB die Verabschiedung von Schmalspurstrecken in großflächigem Ausmaß 
geplant. Die Mariazellerbahn wird wahrscheinlich als einzige 
übrigbleiben, wahrscheinlich aus dem Grund der frühzeitig erkannten 
Chance der Elektrifizierung.
		  
Dies möchte ich gleich als nächstes Stichwort aufgreifen: in der 
Schweiz wurde die Bedeutung eines starken öffentlichen Personenverkehrs 
auf der Schiene bereits vor mehreren Jahren erkannt; So werden die 
Nebenstrecken als wichtige Zubringer zu den Hauptstrecken angesehen. 
Außerdem ist das Bahnnetz der Schweiz im Vergleich zum österreichischen 
bereits zu mind. 90% elektrifiziert. Die Initiative "Bahn 2000" (vgl. 
Deußner und Seelmann, 2008) sticht hier besonders hervor, ermöglichte 
sie doch der Schweiz eine gewisse Vorreiterrolle im Bereich öffentlicher 
Verkehr.
		  
Mein persönlcher Appell: Verschiebung der Investitionen weg von der 
Straße (wer braucht neue Autobahnen?). Weniger Autos => weniger Lärm 
und Abgase. Die Einführung des Gesamtabos für den öff. Verkehr in 
Österreich und Festschreibung der Erfordernis von Taktintervallen für 
Züge auf den unterschiedlichen Strecken in Form von verbindlichen 
Festlegungen (z.B. Bundesgesetzen), wie dies auch im VCÖ-Magazin 3/09 
auf S.18 Erwähnung findet, erschiene mir zielführend.
		  
Eine provokante Frage: Wenn jeder erwerbstätige Österreicher jährlich 
EUR 70 für den öff. Verkehr zweckgebunden zur Verfügung stellen würde 
- die Einnahmen aus der Vignette fließen ja nur in die 
Straßeninfrastruktur -, ließen sich mit diesem Betrag entspr. 
Streckensanierungsmaßnahmen finanzieren (Beseitigung von 
Langsamfahrstellen) und/od. Änderungen der Triebfahrzeuge (Einsatz von 
Triebfahrzeugen mit Neigetechnik) durchführen, so daß sich eine 
Durchschnittsgeschwindigkeit von zumindest 60-70 km/h erreichen ließe? 
(Möglicherweise geht es aber auch z.T. um fehlende Schrankenanlagen?)
		  
Entsprechende Sanierungsmaßnahmen der Eisenbahninfrastruktur würden 
m.E. sicherlich zur Attraktivitätssteigerung des öff. Verkehrs führen 
und zur Folge haben, daß ein "Zurücksteigen" vom Streß- und 
Unfallrisikofaktor Auto auf die Bahn stattfindet. 

Nachdem ca. 32% der Wege, die mit dem Auto zurückgelegt werden, 
dienstlich sind (Männer: 40%, Frauen 23%), würde dies doch eine 
deutlich merkbare Reduktion des Autoverkehrs ergeben. Zum Thema 
Autoverkehr spricht Hausberger (2007), im VCÖ-Magazin 3/09 das 
ernüchternde Faktum an, daß die Hälfte aller Autofahrten kürzer als 
fünf Kilometer ist (vgl. S.12). Das (Elekro-)Fahrrad als (Ergänzungs-) 
Verkehrsmittel wird anscheinend noch viel zu wenig wahrgenommen.
		  
Einer meiner Bekannten meinte anläßlich der Bestandsfeier der 
Ybbstalbahn bei den gleichzeitigen Protesten gegen die Einstellung, 
daß sich Schienenersatzverkehre in Form von Autobussen ohnehin nur 
beschränkte Zeit hielten und dann durch ein auf 3-4 (Schüler-)busse 
reduziertes Angebot ersetzt würde, da die Pender/-innen dann bevorzugt 
den Privat-PKW wählen, aus mehreren Gründen: Komfort- (Platz, WC), 
Flexibilitäts- (weniger Verbindungen) und Mobilitätsverlust (keine 
Möglichkeit der Fahrradmitnahme in Autobussen). In diesem Zusammenhang 
darf ich auf den im Gesetzesentwurf 2005 eines neuen ÖPRNV-Gesetzes 
fehlenden Paragraphen §7 hinweisen, wie er im dzt. gültigen 
ÖPRNV-Gesetz von 1999 richtigerweise enthalten ist.
		  
Ich ersuche Sie daher eindringlich im Sinne einer umweltgerechteren, 
autofrei(er)en, multimodalen Mobilität, vielleicht den ein oder anderen 
Gedankenanstoß aufzugreifen und sich - im Sinne einer bürgernahen, 
zukunftsorientierten Politik - energisch für eine flächendeckend 
gesicherte - d.h. staatlich verankerte - Zukunft des öffentlichen 
Bahnverkehrs einzusetzen - nicht zuletzt auch für die Kinder der 
heutigen Generation.
		  
Das wünsche ich mir insbesondere für das Bundesland NÖ.
Ich bitte um schriftliche Stellungnahme.
        
Vielen Dank im Voraus, mit freundlichen Grüßen aus Krems/Stein,

Leonhard Huber
2009-10-27

"Ausgespäht und abgespeichert" - Buchrezension (Forts. - 1. Teil s.u.)1

Was das Thema der präventiven Überwachung angeht: In den USA werden in größerem Rahmen sogenannte UAVs und MAVs getestet: dies sind sog. unnamed bzw. micro-aireal vehicles - Minidrohnen - die tlw. aus weiterer Entfernung durch die raffinierte technische Nachbildung mit einem Mauersegler zu verwechseln und bei ihrem Flug faktisch geräuschlos sind.

Datenspeicher DNA: Als Basespaare kodiert, sollen mittels Gentechnik künftig Lebewesen zu Datenspeichern werden, und damit Botschaften über Millionen von Jahren bewahrt werden können. Das wäre dann eine Form bionisch-digitaler Langzeitarchivierung; klingt dies zunächst interessant, so erscheint es in weiterer Folge erschreckend. Durch diese Miniatur-"Bio-Datenträger" ließen sich Informationen weltweit ubiquitär und permanent speichern. Durch Kontollsummen, die "Datenfehler" durch genetische Mutationen aufspüren lassen, wäre dieses Ziel erreicht (vgl. S. 144f.).

Daß soziale online-Netzwerke im Bereich der Personenüberwachung eine ausgiebige Quelle darstellen, sollte bereits hinlänglich bekannt sein. Datenspion Gmail: mit seinem freien E-Mail-Dienst "Google Mail" hat Google Inc. ein online-Werkzeug enormen Ausmaßes bereitgestellt, daß nicht nur den Benutzern (faktisch unbegrenzter E-Mail-Speicherplatz) sondern auch Google zum Eigennutzen verhilft. Ein drastischers Beispiel automatischer Datendurchforstung, bei dem die privaten Datenbestände dann - ohne bewußtes Wissen oder Einwilligung - völlig transparent werden - ist die Google Desktop-Suche (vgl. S. 160f.).

Als einen letzten Themenkreis möchte ich noch die Speicherung von personenspezifischen physiologischen Merkmalen wie z.B. Iris oder FIngerabdruck) hervorheben, wie sie von Simon & Simon 2008 beschrieben wird. In ihrem Buch schreiben sie auf S. 208: "Der größte Hemmschuh für die Einführung von Biometrie in Geschäften sind derzeit noch die Kunden, viele empfinden solche Methoden als Zumutung und den Fingerabdruck schlechthin als Symbol von Kriminalisierung." [so auch d. Verf. d. der Rezension]. Anmerkung des Rezensenten: Großbritannien entpuppt sich im Verlauf des Buches als das eigentliche "Vorreiter-Musterland" eines Unmengen an Datenbeständen/-strömen sammelnden präventiv-operierenden Überwachungsstaates: Seit 2007 werden an britischen Schulen - wohlgemerkt ohne die Zustimmung der Eltern - Gesichtsform, Netzhaut und Maße der Hände erfaßt, ebenso sollen zu diesem Zeitpunt an 3500 Schulen bereits Fingerabdruck-Datenbanken eingerichtet gewesen sein. Doch Großbritannien hat mit dem Projekt einer landesweiten DNA-Datenbank, in der bereits 2008 über vier Millionen Datensätze gespeichert waren, in Kombinationen mit der einer nationalen Identitätskarte noch größere Bürger-Registrierungspläne: 50 verschiedene Merkmale, darunter alle zehn Fingerabdrücke, Gesichts- und Irismuster. (S. 240). Damit realisiert Großbritannien George Orwells Horror-Vision "1984" ohne allzugroße zeitliche Verspätung. Selbstverständlich wird auch das Thema gechippter Identitätsausweise im vorliegenden Buch ausführlich besprochen (ab S. 213ff.)

2009-10-06

Abendveranstaltung "Die Bildungslüge" - Vortragsmitschrift2

Rahim Taghizadegan (IfW): Die Bildungslüge

Wie "Bildung" zu einem Kult umfunktioniert wurde, der zu Produktion und Aufrechterhaltung von Illusionen dient, und was Bildung eigentlich sein könnte

Weltweit fanden im Rahmen des internationalen Tag der Bildungsfreiheit zeitgleich verschiedene Veranstaltungen statt.

Bildungsfreiheit verweist zum einen auf eine persönliche Verantwortung; zeitgleich wird diese politisch jedoch in der Form eines Bildungszwanges umgesetzt. Dabei geschieht die Zuführung zu schulischer Bildung aufgrund behördlicher Vorgaben mittels Polizeigewalt.

Seit neuestem wurde auch ein Kindergartenzwang eingeführt. Kindern soll möglichst früh Bildung vermittelt werden. Vermeintlich sei dies aus sozialer Sicht erforderlich, der Bildungsstand sollte dadurch angeblich rapide wachsen, die Bildungszentralisierung fand in sehr kurzer Zeit statt.

Ein utopisches Denken in Richtung einer "Totalen Bildung" kann nicht Geduld aufweisen und auf das dem Menschen angeborene Entdecken und Denken aufbauen und vertrauen, stattdessen soll durch Bildung eine bessere Welt geschaffen werden, die für jedermann von großer Bedeutung sein sollte.

Bildungsversprechen

1. Versprechen: Lesen und Schreiben als Beifreiungsmöglichkeit aus der eigenen Unmündigkeit: In Großbritannien z.B. war die Alphabetisierung kurz vor Einführung des Schulzwangs größer als heute (funktionale. Analphabetismus)

2. Versprechen: Lebenslange Bildung: Verlängerung der Bildung nach vorne und nach hinten, alle mußten erreicht werden;

3. Versprechen: Vereinheitlichung der Ausbildung der Lehrer generiere hohe Bildung, die möglichst umfassend sein sollte.

4. Versprechen: Totale Bildung: Eltern werden als "bildungsferne Proleten" angesehen, denen man die Kinder möglichst früh wegnehmen sollte; außerdem sollte möglichst jeder akademisch gebildet sein. Alle sollen Matura absolvieren zur Erlangung formaler Reife.

Umgang mit Widerständen

Bildung ist ein ureigener Prozeß der Persönlichkeitsentwicklung, dessen Basis das Leben als größter Lehrer ist; Konfrontierung mit "fremden" Wissen steht dem entgegen.

Bildung entsprach ursprünglich einem konkreten Lebensentwurf: aus der großen Tradition der Gelehrten heraus entstand eine "eigene Gilde", deren Mitglieder das Projekt einer "scholaria" verfolgten: In einer Abgeschiedenheit von der Welt (d.h. gesellschaftlichen Realität) wurden Schulen von Muße wurden geschaffen in denen ursprünglich asketisches Denken praktiziert wurde.

Diese Institutionen wurden im Lauf der Zeit aber von der Politik gefunden, und zweckentfremdet aufgegriffen im Sinne von Bildungsmaschinerien: breite Teile der Bevölkerung sollten nun ("versuchen zu") leben, als wären sie Insassen eines Klosters.
Gesamtheit der Bevölkerung fand sich in einem unpassenden Lebensentwurf wieder.

Ansatzpunkte der Bildungskritik

  • Im Sinne einer Institutionenkritik sollen die klösterlich wirkenden Regeln aufgeweicht werden; die Außenwelt soll also folglich nachgebaut werden.
  • Schulen sollen die Erziehung, Sensibilisierung, gesunder, sportlicher, ökologisch orientierter Menschen übernehmen, also Verantwortung für all das, für das "draußen kein Platz mehr ist".
  • Je mehr Außenwelt nachgebaut wird, umso unerträglicher wird das System (Lehrer wird zum Kumpel)
  • Raumeingrenzung und die Erfüllung von Lehrplänen stehen freier Entwicklung und Entfaltung im Wege
    (In den USA gibt es an den Schule eine freie Wahlmöglichkeit von Unterrichtsfächern, das Lernen wird von Tutoren begleitet )
Die eher rechte Bildungspolitik schiebt vor den Fassaden Wache; währenddessen im Inneren eine vollkommene Aushölung der Institutionen durchgeführt wird.

Letztendlich wäre die Folge dieser Entwicklungen eine Hospitalisierung der Kinder, mit persönlichen Trainern, Coaches, Beratern, Psychologen.

Quintessenz: Durch die Überbetonung von Bildung sollen Posten für Intellektuelle geschaffen werden [Anm.: Wer macht dann das "Tagesgeschäft"? - "die anderen"]

Essenz der Bildungslüge

Institutionalisierte Bildung vermittelt eine falsche Vorstellung Freiheit, in Wirklichkeit wird eine Umwandlung der Gesellschaft in Bildungsklassen durch Macht und Kontrolle durchgeführt: Kinder sollen heutzutage einem perfektem Idealmenschen entsprechen.

Individueller Bildungsweg von Jakob Kremsner

Jakob Kremsner (22 J.) ist ohne formale Bildung aufgewachsen. Er studiert Linguistik in Wien, Arbeit mit Kindern und Jugendlichen; Seiner Ansicht nach werden Kinder In der heutigen Gesellschaft geringgeschätzt, durch Vertreter von Institutionen Entmutigungen ausgesprochen, und die Jugend insgesamt entmündigt.

Heutige Schule schränkt seinem Gefühl nach die Entfaltungsmöglichkeiten eher ein; Talente bleiben unentdeckt, die Schule schafft es nicht Ungleichheiten zu beseitigen, sehr oft verstärkt sie diese.

Jugendliche werden als "hoffnungslose Fälle" abgestempelt; einer Studie zufolge wurden 78% der Schüler zumindest einmal massiv beleidigt durch Lehrer, dies hat natürlich Auswirkungen auf Selbstvertrauen, und kreiert Perspketivenlosigkeit.

Kinder werden oft schon sehr früh mit ihrer angeblichen Minderwertigkeit konfrontiert (willkürliche Selektion in Hauptschul- und Gymnasiumsabgänger)

Ab der 1. Klasse Volksschule war er im Heimunterricht. Ausschlaggebend für diese Entscheidung waren Bedenken von Seiten seiner Eltern, daß ihr Sohn durch den Schulbesuch in seiner persönlichen Entfaltung gestört würde.

Es sollen Idealbürger einer Gesellschaft herangezogen werden. die keine ideale Gesellschaft ist.

Er konnte schon ein Jahr vor Schuleintrittsalter lesen (seine Oma war Volksschullehrerin). Jakob Kremsner besuchte die erste Klasse Hauptschule in der Schule mit dem Wunsch nach Anschluß, nach dem 2. Jahr aber beschloß er, gemeinsam mit seiner Schwester zu Hause zu lernen.

2002 absolvierte er als Externist die Matura. Seine Mutter war in den Lernprozeß insgesamt sehr wenig involviert: So verbrachte Jakob Kremsner die Monate Okober und November einmal mit zwei Monaten arbeiten gehen, einen weiteren Monat verreist er. Insgesamt war für ihn die Zeitnutzung außerhalb eines Stundenplans eine andere. Er studiert derzeit Linguistik und Sozialantropolgie (seit 2004), und beginnt dzt. mit seiner Diplomarbeit.

Im Volksschulalter stellte die Tatsache, nicht in die Schule zu gehen, nie ein Problem dar, er hatte z.B. intensiven Kontakt zu den Nachbarkindern, insgesamt ergab sich kein Ausgrenzungsgrund. Zwischen 11 und 15 Jahren fehlte ihm doch etwas die Klassengemeinschaft und ein größerer Freundeskreis, er beschreibt sich aber eher als einzelgängerischer Mensch; zwischen 15 und 18 Jahren entwickelten seine Freunde ihren eigenen Freundeskreis auch außerhalb der Schule.

Utopien sind notwendig, denn die heutige Schule ist nicht ideal, aber auch draußen in der Gesellschaft ist wenig Platz für eigene Entfaltungsmöglichkeit (nicht zuletzt auch durch ökonomische Zwänge, nicht nur aufgrund des Schulsystems)
Die Gesellschaft hat kein Interesse, mündige Bürger zu gerernieren, sondern funktionierende Arbeitskräfte.

Schüler müssen sich auf immer freieren Arbeitsmarkt vorbereiten; Lehrer haben und vermitteln ein Bild sicherer Angestelltenverhältnisse, deren Zahl immer weiter zurückgeht.

Stefan Sedlaczek (IfW): Die Verfolgung von Bildungsalternativen im deutschsprachigen Raum - Entwicklungen, Möglichkeiten, Motive

engagierte sich bereits mehrere Jahre in Deutschland für die Verfolgung von Bildunsalternativen.

Ansätze, den Begriff Bildung zu definieren:

  • ein freies, beherztes "sich ein Bild machen"
  • sich bilden (von innen heraus)
  • institutionalisierte Bildung
Wenn Eltern für Ihre Kinder Verantwortung tragen ist dies Herzenssache
Ein Recht, andere nach seinem Gusto zu bilden, gibt es nicht. Recht sollte eigentlich Konflikte zwischen Menschen regeln.

Gestaltungsmöglichkeiten der Bildungssituation im deutschsprachigen Raum

  • In Deutschland wird Bildungspflicht als Recht und Gesetz als in Ordnung angesehen wurde aber erstmals i.d.Form vom NS-Regime eingesetzt.
  • In Österreich gibt es das Staatsgrundgesetz von 1861, das von der Schulpflicht erst dann als relevant spricht, wenn keine andere Form der Bildung möglich ist.
  • In der Schweiz dürfen nur als Lehrer ausgebildete Eltern ihre Kinder unterrichten (Kanton Zürich)
  • Belgien hat zahlreiche Bildungsflüchtlinge aus Deutschland
  • "Unschooling" als schulfreies Lernen, Freilernen im Sinne eines "Lebenswandels" führt zum Gefühl der Souvernänität, das bewahrt werden muß als etwas ganz persönliches.
Freilernen bedarf des Austausches mit anderen im Sinne von Auseinandersetzung und Zusammenarbeit Die Motive der Freilerner sind dabei: Intimität und Kontakt

Es dreht sich um persönliche Kontakte am Lebensort, wobei Freilernen in Deutschland verboten ist. Dort wäre im speziellen eine Gruppe aus Wissenschaftern, Juristen, Journalisten usw. notwendig um das Freilernen zu realisieren:

Durch die Schulanwesenheitspflicht ist der Aufwand ungeheuerlich groß, einen individuellen Bildungsweg einzuschlagen;
der Paragraph §1666 BGB legitimiert Eingriffe des Jugendamts. Diese sind ohne nachgewiesenes "Versagen der Eltern" möglich; bei nicht erfolgendem Schulbesuch wird den Eltern das Sorgerecht entzogen.

Jedoch erfolgt auch in Deutschland eine langsame Veränderung des Schulwesens in Richtung "Selbstlernzentren".

Insgesamt werden anarchische spielerische Gehversuche das Terrain heimsuchen. Es geht um eine Rückeroberung der (Selbst-)Verantwortung als Pendant der Freiheit!

Bildung ist die innere Antwort auf das äußere Erleben und eine reprivatisierte Verantwortung vermeidet soziale Unstimmigkeiten - Kinder sind schon im Mutterleib die reinsten Selbstlerner; es bedarf einer zarten Führung und an Freiräumen zu selbstbestimmtem Lernen.

Erfahrungsbericht von Tina Partsch/Wien

Über die Lernsituation in ihrer Familie gab es Profil letzte Woche (KW xx/2009) eine Reportage:

Ausgangspunkt für Ihren Kontakt und Ihr Engagement in Richtung Heimunterricht war die Tatsache, daß ihr jüngster Sohn ist am (institutionalisierten) System Schule gescheitert war.

Es gab einen Besuch bei einer Schulpsychologin und einer Kinderpsychologin; es wurde ihr empfohlen, ihren Sohn in das AKH/Kinderpsychosomatik aufnehmen zu lassen. Dies lehnte sie aus verständlichen Gründen ab.

Die Kinder sind dann drei Monate in Krankenhaus, wo auch der Unterr. wieder beginnt. (...) Wenn den Kindern in der Schule gesagt wird seitens eines Lehrers: "Was tu' ich eigentlich da, Ihr seids zu deppert".
  • Ihr siebenjähriger Sohn sagt: ich geh' nirgends hin, ich bleib' zu Hause. Nach dem dritten Jahr Homeschooling, "bis ich mal in die Schule gehe, gehst Du schon am Stock".
  • Ihr ältester, 18-jähriger Sohn sagt, in der Schule wäre es für ihn wahrscheinlich leichter gewesen, aber er meint selbst daß er durch das Lernen ohne Stundenplan reifer geworden ist.
  • Der "mittlere" Sohn von Fr. Partsch ist ein leidenschaftlicher Schulgänger.
  • Sie stellt fest, daß es in den letzten 1-1,5 Jahren immer mehr Interessenten am Thema außerschulischen Lernen gibt, dies umfaßt auch Kinder mit besonderen Bedürfnissen.

Fr. Partsch gibt weitere Kurzinformationen:

  • Externistenprüfungen: Prüfungssituation 2,5 Std., Arbeitsblätter werden ausgeteilt (z.B. Mathematik); Referat in Geographie; anschließend Gespräch mit Eltern. Fr. Partsch hat kein "böses" Lehrerbild.
  • Hinsichtlich Zeiteinteilung bemerkt sie daß insgesamt weniger Erwerbsarbeit möglich ist, sich dadurch aber mehr Familienleben ergibt. Zusätzlich wird auch die Selbständigkeit aller Beteiligten gefordert.
  • Betreffend einer Quelle für inhaltliches Material verweist sie auf die Schulbuchaktion; sie selbst bezieht aber auch viele Informationen aus dem Internet und aus "alten" Schulbüchern ihres 1. Sohnes.

2 Veranstaltung im Club für Wertewirtschaft, 1030 Wien, 14.09.09, 19-21 Uhr

2009-09-30

"Ausgespäht und abgespeichert" - Buchrezension1

Durch meinen Schwiegervater fiel mir ein äußerst interessantes, wenn auch definitiv erschreckend nüchtern geschriebenes Buch von Thomas und Anne-Catherine Simon zum Thema Datenmißbrauch und Eindringen in die Privatsphäre in die Hände, welches die aktuelle technische und politische Situation zum Stand Juni 2008 schildert. Es werden Beispiele aus aller Welt gebracht, die auf mannigfache Weise darlegen, wie gläsern denn nun der einzelne Bürger derzeit schon geworden ist.

George Orwells Buch 1984 hat sich insbesondere im angelsächsischen Raum bereits weitgehend bewahrheitet. So werden Staaten in aller Welt von rechtsstaatlichen Systemen in ein präventiv-überwachendes Systeme, und zwar mit einer minutiiösen Systematik. Diese nimmt - seit Herbst 2001 zusätzlich angetrieben um die Komponente Terrorismusbekämpfung - immer mehr Freiraum ein, und steht oft im krassen Gegensatz zu - noch?- gesetzlich verankerten Grundrechten.

Daß Gewalt sich insgesamt von überwachten Plätzen verlagert, und Methoden der Überwachung die Entwicklung von Gegenmitteln zur Folge haben, scheint den wenigsten Regierungen und Regimes einzuleuchten. Zu gerne werden kurzsichtig-oberflächliche Argumente eines angeblich gesteigerten Sicherheitsgefühls der Bevölkerung als Vorwand angeführt, um den wahren Zweck der totalen Kontrolle zu vertuschen. Hunderttausende von Kameras scheinen mir ebenso unberechtigt zu sein, wie auch Privatsherrifs oder Lynch-Justz, wie etwa das öffentlich an den Pranger stellen von persönlich unliebsam gewordenen Mitmenschen.

Eine schier unglaubliche Faszination - und diese scheint fast exponentiell zu wachsen - geht von der totalen Herkunfts-, Gesundheits- und Verhaltenskontolle aus, deren globale Datenbasis sich v.a. durch Digitalisierung und Vernetzung von Bürgerdaten ergibt. Vorangetrieben wird das ganze selbstverständlich nicht nur von Seiten öffentlicher Einrichtungen sondern auch von der Wirtschaft und nicht zuletzt von Google. Die Suchmaschine Google ist - entgegen dem anfänglichen Enthusiasmus betr. die Qualität der Trefferlisten, als Google noch eine "reine" Suchmaschine - leider immer mehr zu einer viel-zitierten "Datenkrake" geworden, mit einer Wißbegierde, die bis in höchste private Bereiche vordringt (Stchwort "elektronische Krankenakte").

Bei dieser Gelegenheit fallen einem auch die zahlreichen Beispiele von RFID-Chip-Implementierungen en, die Simon und Simon in ihrem Buch erwähnen. Hielt ich persönlich den englischen Professor Kevin Warwick noch für einen technologisch-geblendeten "Spinner" , so wird man doch äußerst nachdenklich wenn man das entsprechende Kapitel über drahtlos auslesbare Mikrochips liest.

Insgesamt rate ich die Lektüre dieses Buches ziemlich dringend jedermann und jederfrau an, die als medienkritischer Konsument unterwegs ist, denn einmal mehr bestätigt sich, daß zumindest eine gesunde Portion "gesunden" Mißtrauens auf individueller Ebene nötig ist, um nicht unwissend in die ein oder andere Datenfalle einer - wie man es nennen könnte - Telespionage zu tappen, und dann als immer weitreichend vernetzter Datenpunkt über Jahrzehnte hinweg "präventiv" observiert werden zu können.

(Fortsetzung folgt!)

1 Anne-Catherie Simon & Thomas Simon (2008): Ausgespäht und abgespeichert. Warum uns die totale Kontrolle droht, und was wir dagegen tun können. ISBN: 978-3-7766-2572-1
2009-08-28

Tag der Bildungsfreiheit 2009

Ich darf hier auf zwei interessante Abendvorträge hinweisen:

2009-08-19

Energiespartips aus der Praxis

  • Licht bei noch/schon vorhandenem Tageslicht möglichst nicht verwenden; nach Gebrauch Licht sofort abdrehen (so wären eigentlich keine quecksilberhältigen "umweltfreundlichen" Energiesparlampen notwendig
  • Warmwasser nur dann verwenden, wenn es wirklich notwendig erscheint
  • zu Fuß gehen, Fahrrad fahren; für weitere Strecken mit dem Zug unterwegs sein (spart Nerven, Geld, fördert Kommunikation und kann auch meditativ sein)
  • Behältnisse für Speisen mitnehmen, das spart Verpackungen aus Aluminium, Plastik od. Papier
  • regionale, am besten lokale Produkte kaufen, "fairtrade" ist zwar menschlich ein interessanter Ansatz, wenn man aber Flugtransporte dazurechnet, sieht's doch von ökologischer Seite etwas fragwürdig aus
2009-08-17

Geokodierte Daten

Die Geokodierung im Web erhält immer größere Ausmaße: Google Maps wird ergänzt durch Google Satellite Images, bietet umfassend seit längerem Fotomaterial, neulich sah praktisch jeden 2.-3. Ort auf der Niederösterreichkarte mit Bildmaterial illustiert; dies kann auch damit zu tun haben, daß digitale Spiegelreflex-Kameras mit GPS-Funktionaität immer häufiger verwendet werden. Ab wann ein Status wie bei der Truman Show erreicht ist, scheint mir persönlche Ansichts-/Geschmackssache zu sein. Der Neugierde privater und öffentlicher Datenmonopole waren noch nie so wenig Grenzen gesetzt wie heute: teile (stelle dem global village die Infrastruktur zur Verfügung) und herrsche... Die Satellitenbilder sind teilweise von einer Genauigkeit, daß man mittlerweile jedes einzelne Haus samt Art der Dacheindeckung erkennen kann... Fragt sich nur mehr, wie es um den Wiederholungszyklus einer solchen global oberservation (im doppelten? Sinne) steht !

2009-08-11

Radfahren

Seit ein paar Tagen hat Klara das Fahrradfahren für sich entdeckt. Nachdem sie schon lange mit einem Laufrad unterwegs war, hat sie nun - von einem Moment auf den anderen - ihrer Intuition und nicht irgendwelchen Anleitungen folgend - "heraußen, wie's geht". Mich persönlich freut's, denn jetzt können wir zuviert mit Rädern und Anhänger unterwegs sein.

2009-08-04

Waldviertel-Urlaub

Wir verbrachten die Zeit von 19.-25.7. auf einem Biobauernhof in der Nähe von Rastenfeld im Waldviertel. Gemeinsam mit einer Freundin und ihren zwei Kindern teilten wir uns eine Ferienwohnung. Die Zeit am Bauernhof war für Klara und Benjamin eine interessante Erfahrung, denn sie hatten Umgang mit vielen unterschiedlichen Tieren, Klara fütterte insbes. gerne die Ziegen und streichelte die Hasen. Benjamin schloß Freundschaft mit der Hofhündin "Missi". Eine Wanderung zum Ottensteiner Stausee war für mich das "highlight" der Woche, das Wasser sehr erfrischend.

2009-08-04

Photographie ...

Nach längeren Recherchen und Überlegungen habe ich mich dazu entschlossen, eine digitale Spiegelreflexkamera zu kaufen, und bin dabei - nachdem ich mit meiner alten Coolpix 5000 mehrere Jahre recht zufrieden war - auf die aktuellen DSLR-Modelle der Fa. Nikon gestoßen. Die Nikon D90 begeistert mich hinsichtlich Handhabung, da sowohl die Bedienelemente wie auch die Menüführung am Display, das mit 920.000 Bildpunkten eine feine Auflösung besitzt, selbsterklärend sind.

Hier habe ich eine (zunächst recht kleine) Auswahl von Fotos der vergangenen Tage plaziert:

2009-07-15

Qualitätsprinzipien für kulturelle Websites

  • Transparent:
    klar identifizierbar, konkreten Zweck, einfache Überprüfung Benutzeranforderungen/Angebot von Information
  • Effective:
    ausgewählter, relevanter, fachlich-korrekter Inhalt samt begeleitenden Kommentaren in übersichtlicher Aufbereitung
  • Maintained:
    Website wird regelmäßgewartet, Inhalte regelmäßig auf Aktualität geprüft; technische Wartung
    Have you considered a new user interface or new home page in the last six months? Would that encourage its use?
  • Accessible:
    Is the website navigable and content retrievable/understandable by users with special requirements?
    Berücksichtigung der Aufbereitung für assistive Technologien; Nur der Text auf einer Website allein sollte inhaltlich grundlegende Aussagekraft haben.
  • User-centered:
    "A quality Website must be user-centered, taking into account the needs of users, ensuring relevance and ease of use trough responding to evaluation and feedback.
    Durchführung von usability-Tests mit einzelnen Benutzern, um die konkrete Systemverwendung analysieren zu können.
  • Responsive:
    Die Website soll Kontakt-/Kommunikationsmöglichkeiten mit den Betreibern/Inhaltslieferanten ermöglichen, ggf. inhaltliche Mitarbeit ('contribution' bzw. 'production') ermöglichen. Auf moderierte Foren wird i.d. Zusammenhang verwiesen.
  • Multi-lingual:
    Navigationswerkzeuge und Inhalte mehrsprachig verfügbar.
    The site structure and content should not vary with language - site design and user interface language should be logically separate
  • Interoperable:
    Die Berücksichtigung und Verwendung von standardisierten Metadaten-Sätzen und Website-Technologien ermöglicht übergeordnete Funktionalitäten wie etwa verteilte Suche.
  • Managed:
    Berücksichtigung von Urheberrechten/Bestimmungen zur Inhalts(weiter)verwendung sowie Sicherstellung und Bereitstellung von Informationen über Datenschutzmaßnahmen.
  • Preserved:
    Sicherstellung der Langzeitverfügbarkeit (Datenmodelle, Dateiformate, Darstellungstechnologien, Medien)

Minerva Working Group (Hg.)(2008): Handbuch "Quality Principles for Cultural Websites"

2009-04-23

Schräg, mitreißend, ...

Gestern Abend hatten wir das Glück einer nicht alltäglichen Musikergruppe zu begegnen. "Federspiel" traten im Salzstadl auf, und ihr Name war zugleich Programm: Leicht, aber auch berührend wie eine Feder regten die Musiker oft zum Schmunzeln an. Die spürbare Spontanität der Musik begeistert mich noch jetzt, und auch nach dem Konzertbesuch hatte ich seit langem wieder eine Idee davon, was Musik in/mit einem bewirken kann und welch große Bereicherung sie für unser Leben ist.

2009-04-21

Windelfeiheit und Kommunikation

Karoline "Lini" Lindmayer, eine Freundin von uns, hat vor kurzem ihr erstes Buch veröffentlicht. Es trägt den Titel "Windelfrei? So geht's! Natürliche Säuglingspflege. Gestalten der Eltern-Kind-Beziehung durch Kommunikation und Körperkontakt." und beschäftigt sich mit einer "neuen" Art der respektvollen Eltern-Kindkommunikation.

Wie sie schreibt, sind Babys im Stande, wenn ihnen die notwendigen Rahmenbedingungen gegeben/ gelassen werden, ihre Ausscheidungsbedürfnisse zu signalisieren und selbst zu steuern. Die Sensibilität für Körpersprache in Verbindung mit dem Annehmen ihrer persönlichen Einzigartigkeit und einer Kommunikation in einem Klima von Sicherheit und Offenheit ermöglichen es dem Baby bzw. Kleinkind, ein gesundes Körpergefühl zu entwickeln und zu bewahren, wenn eine Windel nur in 'schwierigen' Situationen z.B. außer Haus oder bei Krankheit verwendet wird.

Meine Frau Christine und ich lassen unsere Kinder ebenfalls windelfrei aufwachsen; beim ersten 'Abhalten' landete das 'Pipi' unseres Sohns im Topf.

Mehr Informationen auf windelfrei.at

2009-03-18, upd. 2009-04-16

Kollegin/Kollege gesucht!

Derzeit wird an der ZAMG im "Bereich IT" in der Applikationsentwicklergruppe eine Arbeitskollegin/Arbeitskollege für den Bereich Webentwicklung gesucht, für den neben meinem Chef Josef Charvat auch ich zuständig bin. Interessierte Leserinnen und Leser dieser Seite darf ich auf die Seite "Stellenangebote" der ZAMG-Homepage hinweisen.

2009-01-30

Schellacks

Gestern bin ich durch Zufall bei einem Trödlerladen in der Nußdorfer Straße auf ein riesig großes Angebot an Schellacks gestoßen. Leider hatte ich nur kurz Zeit; werde in den nächsten Wochen sicher wieder vorbeischauen.

2009-01-30

Malort Wien

Seit ca. zwei Wochen gehe ich mit meiner Tochter Klara in den Malort in Wien 9. Im Untergeschoß (Werkstatt) einer Kindergruppe herrscht für etwa eine Stunde folgendes 'setting': In die Mitte des Raums wird eine Holzpalette mit (recht hochwertigen, ausgewählten) Farben, Wasserschälchen und zwei Pinseln verschiedener Stärke plaziert. An den Wänden dieses Raums sind großflächige, leinenbespannte Pinwand-Tafeln (ohne Zwischenräume) angeracht, auf denen wiederum Zeichenblätter mit Reißnägeln affichiert werden. Jede(r) Malende verfolgt nun, wenn er das sogenannte Malspiel (Arno Stern, Paris) begonnen hat, völlig intuitiv und unwillkürlich seine 'natürliche Spur', wie es derzeit meine Tochter Klara und ich erleben.

2009-01-20

Immer wieder ... Kinderlieder

Gestern Abend haben wir zu viert sicher eine Stunde gemeinsam musiziert. Das war wirklich ein bereicherndes Erlebnis für mich, zu sehen und zu hören, das auch 'tradtionelle' Kinderlieder nicht fad 'heruntergeleiert' werden können, sondern durchaus durch den musikalischen 'Vortrag' im Klang an Charme und Witz sehr viel gewinnen können. Auch das Abweichen in Rhythmen und Intervallen belebt... ;-)

2009-01-14

Interaktive Web-Anwendungen

Derzeit (Dez. 2008/Jan. 2009) entwickle ich gemeinsam mit dem Kollegen Markus Ungersböck von der Regionalstelle in Salzburg TAWES-Monitor, eine webbasierte Abfragemaske nach Wetterdaten von geographisch gruppierten (teil)automatischen Wetterstationen der ZAMG. Die Web-Applikation ist PHP-basierend, Datenbankabfragen werden an die hausintern verwendete Sybase-Datenbank gesendet; in speziellen erarbeite ich gerade eine JavaScript-XML-HTTP-request basierte Oberfläche, die die interaktive Zusammenstellung von Stationsübersichten ermöglichen soll (Konfigurationsinterface). Das Jahr 2009 bringt mir eine intensive Beschäftigung mit interaktiven Web-Technologien: So stehen (update-)Schulungen und Implementierungen in Java, XML und AJAX auf dem Progeramm. Es bleibt auf jeden Fall inhaltlich spannend.

2009-01-14 (update)

Unterwegs mit dem Zug - neuer Fahrplan

Der neue Fahrplan der ÖBB bringt eine Neuerungen, die zwar längere Fahrtzeiten (im 5-10 Min.-Bereich pro Richtung) zur Folge haben, in anderen Bereichen jedoch neue Anschlüsse bieten:

So ist es nun erstmals möglich, mit einem durchgängigen Zug drei mal täglich (Mo-Fr. bzw. Sa) von Krems/Donau nach Wien Meidling bzw. Payerbach-Reichenau via Wiener Neustadt zu reisen, wie auch umgekehrt. Dies bringt mit sich, daß die Benützung der U-Bahn-Linien innerhalb Wiens als Verbindung zwischen der Franz-Josefs-Bahn und der Südbahn keinen Geschwindigkeits-/Zeit"vorteil" bringt, und zu diesem Zweck auch nicht mehr notwendig ist. So gibt es z.B. neu einen Zug, der in kaum mehr als zwei Stunden von Krems/Donau nach Wr. Neustadt geführt wird. Ein echter Fortschritt. [Weshalb es diese Verbindungen nicht auch an Wochenenden gibt, ist mir unverständlich.] Ebenfalls fortschrittlich erscheint mir die Einführung eines neuen Taktfahrplanes, der den Umstieg von Regionalexpreß-(REX)-Zug in Anschluß-REX-Zug. Bsp. 6-Min-Umsteigezeit von REX in Krems zu REX nach St. Pölten.

Weniger innovativ scheint mir die für den Zeitraum der Sperre der Tullner Donaubrücke (von März bis September 2009) angesetzte Busverbindung von Bhf. Tulln nach Absdorf-Hippersdorf, da für diese zweiunddreißig Minuten veranschlagt wurden; ich werde vermutlich mit dem Zug von Floridsdorf über Stockerau nach Absdorf-Hippersdorf unterwegs sein: Das Lesen, Denken, Schreiben ist ruhiger und ungestörter im Zug, als in einem Bus.

Ebenfalls neu ist die Umsteigeerfordernis in Absdorf-Hippersdorf bei meiner nachmittäglichen Rückfahrt nach Hause; was mich gestern (15.12.) etwas verwunderte, war die auf den ersten Blick mehr als ungleichgewichtige Zugausstattung im Hinblick auf die Anzahl der Reisenden: Zug 1 nach Gmünd hatte vier normale Regionalzugwaggons; Zug 2 nach Krems hingegen wurde mit mind. 5 Doppelstockgarnituren von Stockerau nach Absdorf geführt und war dementsprechend leer - auch nachdem wir etwa 30 (40?) Fahrgäste zugestiegen waren. Am Mittwoch d.W. wurde selbst das - wegen der weniger komforablen Sitzplätze eher gemiedene - Fahrradabteil gerne in Anspruch genommen.

2009-01-14 (update)

Preisspirale

Vorgestern hatte ich ein Gespräch mit unserer Vermieterin, in dem wir uns u.a. über die Preisexplosion bei Lebensmittel unterhielten. Sie merkte dabei v.a. an, daß vor zwanzig, dreißig Jahren ein Bund Schnittlauch etwa fünfzig Groschen gekostet habe, heute läge der Preis bei etwa 1 Euro. Dies würde in etwa 1.300 Groschen entsprechen, was selbst bei einer - beispielhaft angenommenen Entwertung auf 30% - einer mehr als Verachtfachung im Vergleich zum damaligen Preis entsprechen würde. Am günstigsten ist freilich der selbst durchgeführte Anbau von Gemüse und Obst; allerdings muß hierfür der notwendige Grund zur Verfügung stehen, der in vielen - wie auch in unserem Fall - erst käuflich erworben werden muß!

2008-12-05

Kinderlieder "13x3 und Du bist dabei"

Die Kinderlieder von Ruth Schneidewind - veröffentlicht als Audio-CD und Noten - sind meiner Meinung nach musikalisch gelungen. Die Sänger Carola Haselgruber und Andy Baum bringen die rhytmisch und inhaltlich anspruchsvollen Lieder begleitend mit großteils akustischen Instrumenten in einer sehr ansprechenden Interpretation. Mein persönliches Lieblingslied - "Papa, ich will das, Mama ich will das" - spiegelt die Situation wieder, in der sich Kinder und Erwachsene immer wieder finden/erkennen. Die Lieder "Der große HU" und "Manchmal" 'gehen unter die Haut' und animieren zum Tanzen.

2008-12-05

Marzipankatze trifft Schokoladetorte

Am 29.11.2008 feierte unsere Tochter Klara ihren 3. Geburtstag. Eine liebe Freundin, Theresa Hofer, hat eine Schokoldetorte gekrönt von einer Marzipankatze gebacken. Die Marzipankatze hatte jedoch kein 'langes Leben', wie die untenstehenden Fotos verraten. Und: Sohn Benjamin ist mittlerweile schon fast drei Monate.

2008-12-03

Web-Portal "Kulturpool"

Im Rahmen eines Vortrags an der OCG am 27.11.2008 wurde das derzeit in Entwicklung befindliche Meta-Suchportal "Kulturpool" vorgestellt. Dabei wurde der Fa. UMA vom BMUKK ein Auftrag erteilt, eine Sammelstelle zur Bereitstellung von digitalisiertem Kulturgut für die europäische digitale Bibliothek "Europeana" zu entwickeln. Bis dato konnte UMA mit dem Kunsthistorischen Museum, der Albertina sowie der Österreichischen Mediathek drei nationale Kulturinstitutionen für die Bereitstellung von Bereichen ihrer digitaler Sammlungen gewinnen; Im Rahmen des Vortrags wurde von Seiten des Tiroler Landesmuseums Interesse an einer Projektpartnerschaft gezeigt. Das Portal, welches technologisch auf der modular aufgebauten Software-Eigenentwicklung "Melvil" basiert, wird - im Laufe des Projekts - um eine Reihe von benutzer-involvierenden (Web 2.0-)Funktionalitäten erweitert. Dazu zählen u.a.

  • die Möglichkeit des benutzerspezifischen Taggings von Inhalten
  • die Erstellung von Projekträumen für Schülerprojekte - bau thematischer Geschichten,
  • ergänzend hierzu eine Wiki-Funktionalität
  • 'Empfehlungen der Redaktion' für neue Benutzer
  • Tagging für Fachexperten, Markierung von Objekten im Rahmen von Recherche-Arbeiten

Die Datenanlieferung für das Kulturpool-Portal, das seinerseits angelieferte Inhalte der Euopeana künftig als nationaler Datenlieferant bereitstellen wird, kann in drei verschiedenen Ausprägungen erfolgen:

  • Austausch über das OAI-MPH-Protokoll (Bsp. Mediathek)
  • einen Melvil-'thin'-Zugang (Bsp. Albertina)
  • eine dedizierte Melvil-Appiance (Bsp. KHM)

Die weitere Abwicklung des Projekts hat vor allem das Ziel, den im System vorliegenden Inhaltern mit weitere Semantik zu versehen und untereinander zu vernetzen. Der Aufbau eines Netzwerks aus Begriffen/Konzepten im Sinne des Semantic Web auf Basis einschlägiger Fachthesauri wird hierbei angestrebt; somit ist geplant, daß die Suche in digitalen Betänden neben dem Volltextindex auch in Datenfeldern und Konzepten erfolgen kann.

2008-12-03

MUSEUM AKTUELL-Spezialausgabe zum Thema "Museum und Computer"

Die Ende Oktober erschienene Spezialausgabe der monatlichen Fachzeitschrift bietet mit insgesamt neun Artikeln sowie einem Kommentar zum Thema einen aktuellen Überblick über Einsatzpotentiale aber auch Hindernisse, die der Einsatz von Computertechnologie in Museen mitsichbringt.

Insbesondere die Artikel "First Rumos: Ausdrücklich anders sowie "Museumsdokumentation und Katalogproduktion: Ausstellungsbetrieb und Museumsdaten in einer Hypersoftware" geben einen aktuellen - wenn auch gerafften - Überblick über aktuelle Entwicklungen im Bereich der Software zum Museumsmanagement.

Die Beiträge "Neue Mensch-Museums-Schnittstellen" und "Neues von der Computerkunst, von virtuellen Museum und von echten und virtuellen RFIDs" behandeln den Bereich der Informationsvermittlung an Besucher. Thomas Donga-Durach sieht die Positionierung / Rolle von Informationstechnologie in Ausstellungen wie folgt (Museum Aktuell 09/08, S. 31):

Komplizierte Technik soll möglichst unsichtbar hinter den Inhalten zurücktreten, und dazu dienen die Dinge zu vereinfachen statt sie mit Features zu überfrachten, die letzlich nur die Technik in den Mittelpunkt rückt. Ziel ist, daß Menschen ohne Computer-Erfahrung - und das sind immer noch viele - die erwünschen Informationen mit Hilfe der entwickelten Präsentationsmedien intuitiv und interaktiv abrufen könen und diesen Vorgang dabei auch noch als ästhetischen Genuß erleben.

Mein Artikel "Herausforderungen und Chancen für Museen im Web 2.0 (Teil 1)" wurde ebenfalls in dieser Ausgabe der Zeitschrift "Museum Aktuell" veröffentlicht. Hier ein kurzes Exzerpt:

Zur Zeit gibt es noch relativ wenig museumsspezifische community sites und blogs - was sich daraus erklären läßt, das Museen sich als autoritative Quellen von Informationen sehen, und sich über ihre Rolle auf community sites - und im Web 2.0 generell - öfters unklar sind. Um ein wenig Kontextinformation zu dieser Neuausrichtung auf das aktive online-Publikum zu liefern, soll nun im folgenden Abschnitt die Präsenz von Museen auf Web 2.0-Sites und -Plattformen untersucht werden: (...) Eine Suche nach dem Begriff "museum" sowie einzelnen Museen in Blogs, Wikis und Portalen ergibt zahlreiche Treffer: (...)

In einem geplanten zweiten Teil dieses Artikels soll die Planung und Umsetzung von museumseigenen Web 2.0-Angeboten an konkreten Bespielen dargestellt werden. U.a. werden hier die Bereiche community sites, digitales Geschichtenerzählen, Benutzerbeschlagwortung (tagging, folksonomy) sowie kollaboratives wissenschaftliches Arbeiten behandelt werden. Da jeweils unterschiedliche Typen von Benutzern angesprochen werden, muß eine umfassende Anforderungsanalyse für die Konzeption von online-Angeboten mit Web 2.0-Werkzeuge erfolgen. Die von Minerva-Arbeitsgruppe ausgearbeiteten Qualitätskriterien für Websites bieten sich sowohl für Anforderungserhebung als auch die zuvor angesprochene Analyse bestehender von Museen betriebener Web 2.0-Sites an. (Museum Aktuell 09/08, S. 29)

2008-11-20

"A page in Web2 is more a shared space while in Web1 it is often a single-user writing medium"

Web 2.01 captures a combination of innovations on the Web in recent years (...), such as technological (...), structural (...); and sociological (notions of friends and groups).
The democratic nature of Web 2.0 is exemplified by creations of large number of niche groups (collections of niche groups) who can exchange content of any kind (text, audio, video) and tag, comment, and link to both intra-group and extra-group "pages". A popular innovation of Web 2.0 is "mash-ups", which combine or render content in novel forms.

Bedeutende Charakteristika einer Web 2.0-Site:

  • Benutzer werden im System als "Elemente ersten Ranges" behandelt
  • Abbildung und Schaffung von Verbindungen zwischen Usern durch entsprechende Verlinkungen
  • Variantenreichtum bei der Erfassung von Inhalten (Text, Audio/Video-Inhalte ("podcasts"), 'tagging', ...
  • öffentlich verfügbare Programmierschnittstellen (APIs) zur Erstellung von Software-Erweiterungen und zur (a)synchronen Kommunikation unter den Nutzern.

Die technologische Basis solcher dynamischen Webapplikationen wird durch die Kombination von JavaScript-HTTP-Aufrufen mit serverseitigen XML- oder Plaintext-Antworten erreicht (XML-http-request).

Die Analyse einer Web 2.0-Site durch 'crawler' stellt sich als schwieriges Unterfangen dar, nachdem viele Inhalte erst durch benutzergesteuerte JavaScript-Aufrufe heruntergeladen und dargestellt werden und obendrein meistens ein login erforderlich ist, um zum Großteil der Inhalte zu gelangen, genügt nicht ein bloßes Verfolgen der <a href="" />-Attribute. Denn bei klassischen (" 1.0 ") Websites können alle links mit gleicher Priorität analysiert werden, während bei Web 2.0-Angeboten ei detaillierter Blick auf die unterschiedlichen Verlinkungs- und Seitentypen notwendig ist (navigation links, friends links; user pages, content pages).

1Wikis bleiben in der vorliegenden Analysestruktur weitgehend unberücksichtigt, da der vorliegende Artikel sich explizit auf soziale Netzwerke bezieht.

Cormode, Graham & Krishnamurthy, Balachander (2008): Key differences between Web 1.0 and Web 2.0. In: First Monday, Vol. 13, Nr. 6, 2008-06-02

2008-07-01

Kulturinformatik-Portale

Das vom Bibliotheksservicezentrum Baden-Württenberg entwickelte BAM-Portal versteht sich als Meta-Suchmaschine über Datenbanken/-bestände aus Bibliotheken, Archiven und Museen im deutschsprachigen Raum.

Technologisch basiert es auf der XML-Datenbank/Suchmaschine Lucene (Projekt der Apache Software Foundation); das Mapping von angelieferten Daten erfolgt über XSL-Stylesheets. Derzeit stehen überwiegend Quellen aus Deutschland zur Verfügung, es ist jedoch angedacht, das Angebot um digitale Katalogdaten aus Österreich und der Schweiz zu erweitern.

Die Indizierung der Katalogdaten erfolgt zum einen auf Volltextbasis, zum anderen werden bei der Dateneinspeisung bereits (je nach Typ des digitalen Katalogs) Zuordnungen von Datenbanksfeldern auf die vorgegebenen (generischen) XML-Schemata mittels XSL style sheets durchgeführt.

Von der Detailliertheit am größten können die bibliothekarischen Katalogdaten in XML-kodierte Dokumente übergeführt werden, die anschließend von der Suchmaschine Lucene verarbeitet werden. Die Anlieferung der Daten erfolgt durch die/den jeweiligen Datenbanksverantwortliche/n selbst über einen webbasierten menügesteuerten upload-Assistenten. Das Dateneinspeisungsinterface wird sich künftig an Prinzipien der Open Archives Initiative orientieren.

Die Gewichtung der einzelnen Begriffe und Felder erfolgt zum einen bei der Indizierung, (Vorgabewerte für die Suche) kann aber zum Zeitpunkt der Suche dynamisch modifiziert werden (relevance feedback).

Im Rahmen des OCG-Vortrags wurde auch die interessante Perspektive der Einbindung einer durch die Benutzer gesteuerten Annotation von Datensätzen angesprochen bzw. auch die Erstellung von Diskussions-threads. Vorallem letztere Benutzereingaben müßten in jedem Fall moderiert werden, um Mißbrauch zu vermeiden und die Übersichtlichkeit nicht zu verwässern.

Der zuvor genannte Punkt - Benutzerinteraktion durch Web "2.0"-Technologien, wie z.B. "tagging" - wird auch in einem Artikel "Tagging and the Semantic Web in Cultural Heritage" in ERCIM News (Nr. 72/Jan. 2008) vorgestellt.

Grundsätzlich wird m.E. der Erfolg semantischer Web 2.0-Services davon abhängen, ob und wie, die Vorteile von Experten-Thesaurus und kollaborativer Benutzereingabe (taxonomy und folksonomy) kombiniert werden.

Folgender Versuch wurde in einem Projekt der Eindhoven University of Technology gestartet: Eine web-basiertes Dokumentationssystem zur regionalen Stadtgeschichte steht den Benutzern unter dem Namen "Chi" zur Verfügung.

Die Metadaten zu einzelnen digitalen Sammlungen werden passenden Instanzen einer Experten-Ontologie zugeordnet, die die Dimensionen, Ort, Zeit und Thema abdeckt. Jedoch weisen die Bestände eine teilweise lückenhafte Dokumentation auf, wo nun die Benutzer um Hilfe gebeten werden.

Die Benutzer recherchieren Dokumente zu regionaler und städtischer Geschichte über eine von Fachwissenschaftern editierte Klassifikation nach Thema, Zeit und Ort; beim konkreten Dokument werden ihnen bei der Freitext-Beschlagwortung (tagging) Deskriptoren und Zugangsworte aus dem Thesaurus vorgeschlagen, bei denen ihre Zustimmung abgefragt wird:

Through the use of simple tagging techniques, users could collarboratively help to provide metadata for previously uncharted collections of multimedia documents. By applying semantic and linguistic techniques, these user tags can be enriched with well-structured ontological information provided by professionals. (S.22)
2008-06-05

RDFa und Folksonomies als Realisierungwerkzeuge des Semantic Web 2.0

In einem Artikel in ERCIM News stieß ich auf RDFa. Aus meiner Sicht wurde damit endlich die Brücke geschaffen zwischen wissenschaftlicher Terminologie-Arbeit und elektronischer Dokumentation, denn: durch RDFa wird es erstmals möglich, ein fachwissenschaftliches Angebot für das semantische Web im Freitext abzufassen, was ich persönlich für einen sehr großen Fortschritt halte.

Obwohl ein Web-Export eines semantischen Netzes auf RDF/OWL-Basis bereits sehr mächtige Überblicks- und Navigationstunktionalitäten im jeweiligen Wissensfundus bietet, macht die Einbettung von RDF-Inhalten in ansonsten "normal" gehaltenene XHTML-Dokumente aus Ihnen Dokumente des Semantic Web. Denn: weshalb sollten die Web-Benutzer von heute, die an strukturierteren Recherche-Zugängen als Google heute interessiert sind, nicht endlich einmal mit gehaltvollem Hypertext belohnt werden.

2008-06-05

'Digitizing Collections. Strategic Issues for the Information Manager'

Lorna M. Hughes 2004 erschienenes Buch präsentiert Strategien und praktische Themen aus den Bereichen Sammlungsdigitalisierung und online-Präsentation. Die Autorin richtet sich an Bibliothekare, Archivare und Museumsbedienstete. Zu Beginn des Textes führt sie vier Hauptgründe für eine Sammlungsdigitalisierung an:

  • erweiterte Zugriffsmöglichkeiten,
  • Materialerhaltung durch Minimierung Direkzugriff,
  • Profilerweiterung d. Institution,
  • Förderungsbeschaffung

Im ersten Kapiel stellt Hughes einen Vergleich der Charakteristika von analoger mit jenen digital(isiert)er Information an:

Charakteristika analoger Information
  • physisches Trägermedium
  • Sequentialität in Repräsentation
  • Verschlechterung beim Kopieren
Charakteristik digitaler Information
  • Verknüpfung mit anderer Information
  • an keine räumlichen und zeitlichen (sowie hierarchischen) Rahmenbedingungen gebunden.
  • Speicherung und Über-/Vermittlung in verschiedener Form
  • Kompression möglich
  • Browsen, Suche, Indexierung und Zuordnung vereinfacht
  • in globalen Kontext (Web) einbindbar
2008-05-08

'Museumsinformatik und Digitale Sammlung'

Das 2001 von Harald Krämer geschriebene Grundlagenwerk "Museumsinformatik und Digitale Sammlung" erweist sich in vielen Details als sehr gut recherchiertes Grundlagenwerk zu den im Titel genannten Themen.

Der Autor merkt zum Begriff der Museumsinformatik an, daß es sich um einen interdisziplinären Tätigkeitsbereich handelt. "[Museumsinformatik ist] zwischen Dokumentationswiessenschaft, EDV-gestützter Dokumentation, angewandter Museologie, Betriebswirtschaftslehre, Informatik, Kommunikations- und Multimediawesen und den jeweiligen Wissenschaftsbereichen einzuordnen (...)" (S. 17)

Krämer umreißt die 'aktuelle Lage' der Dokumentationsaktivitäten wie folgt. Seiner Meinung nach sei die wissenschaftliche Dokumentation in Museen oftmals unzureichend, der Objektbegiff bedürfe einer Ausweitung. Es sei wünschenswert, Forschungsaktivitäten in Museen und Universitäten zu bündeln, denn die Trennung problembezogener von objektbezogener Forschung erwies sich als nachhaltig. Der Autor fordert weiters eine Verankerung der neuen Tätigkeiten eines Museumsinformatikers in Form einer adäquate Ausbildung - was man als Implementierung vieler im vorliegenden Buch dargestellter Inhalte sehen kann.

Im Rahmen des Textes wird eine umfassende System- und Strukturanalyse als vielschichtige Form der Zusammenarbeit von Informatikern mit Kunstwissenschaftern im Detail präsentiert. Im Laufe des Buches werden einzelne Projektabwicklungen als Fallbeispiele angeführt. Krämer gibt in schriftlich übersichtlicher Form Kerndaten, die eine Sammlungsdokumentation bereitstellen sollte, wieder, die sich aufteilen in sammlungs-, objektbezogene-, herstellerbezogene Informationen wie auch ablaufspezifische administrative Steuerungsinformationen. (S. 19)

2008-05-07

'Systematically distorted information'

ist der Titel einer Spezialausgabe (Nr. 51, Jan/Feb 2004) des kanadischen Magazins 'Adbusters', die sich mit dem Menschenrecht frei zu kommunizieren und sich frei zu bewegen beschäftigt. Frei - ohne zensuriert zu werden oder verfolgt zu werden, reduziert auf die Größe eines Datenelements - abstrahiert und virtualisiert.

"Information - der Lebenssaft der Demokratie - wird systematisch kommerzialisiert, trivialisiert, homogenisiert und politisiert." Und: "Zensur verursacht Gehirnschäden." - Das Projekt 'media carta' wird vorgestellt. Es verfolgt das Ziel, das Recht auf freie Kommunikation in die universelle Deklaration der Menschenrechte aufnehmen zu lassen. Menschen sollen ihre authentischen Aussagen, Ansichten und Meinungen senden dürfen, über ein Kontingent unbezahlter Sendezeit.

is the title of a special issue (no. 51, Jan/Feb 2004) of the Canadian magazine 'Adbusters', concerned with peoples' right to communicate and move freely - without being censored or having oneself tracked reduced to a mere data point - abstracted and virtualized. The current situation is mentioned as follows:

"Information - the lifeblood of democracy - is systematically commercialized, trivialized, homogenized and politicized." And: "Censorship causes brain damage." - The project 'media carta' is presented. It is targeted at incorporating the right to freely communicate into the Universal Declaration of Human Rights. People should be able to broadcast their authentic voices, views and opinions via a contingent of unpaid airtime.

Two of my favourite illustrations I would like to quote below:

updated: 2008-05-07

Thinking and writing while 'on the move' by train...

Denken und schreiben - unterwegs mit dem Zug

Vor ein paar Tagen habe ich einen Akkumulator für meinen alten Laptop erhalten, den ich vor einem Jahrzehnt erhalten habe. Nun ist es mir also - nach langer Zeit - am Weg zum / vom Arbeitsplatz wieder möglich zu arbeiten (denken und elektronisch niederzuschreiben für die spätere Veröffentlichung im WWW). Dies gibt mir die Chance, die Pendelzeit im Zug von Krems/Donau nach Wien in einer weiteren produktiven Art zu nutzen. Und meine Website aktuell zu halten. Gerade jetzt hat mein Display etwas zu flimmern angefangen, aber das wird mich nicht daran hindern, optimistisch zu bleiben, daß die sofortige Eingabe meiner Gedanken ...

Ebenfalls gestern entdeckte ich ein Buch wieder mit dem Titel 'Information Management in Museums'.

Das Museum wird als Speicherort von Wissen hervorgehoben. Hierbei fungiert die Sammlung als Herz der Wissensbasis. Beginnend bei der Ebene des sichtbaren Inventars an Wissen (den Objekten), extrahieren Personen - u.a. Sammlungskuratoren - die den Objekten inheränte Informationen und generieren daraus mit Hilfe zusätzlicher Quellen Informationsprodukte. Die beiden Autoren Elizabeth Orna und Charles Pettit sprechen von einem 'requisite store of knowledge'. ...

Zwischen drei Gruppen wird unterschieden, die unterschiedliche Zugänge zur Nutzung, Generierung und dem Austausch von Wissen aufweisen. Informationseigentümer, d.h. Institutionen oder Einzelpersonen, die das gesetzliche Recht zur Verteilung von Informationen besitzen, sind zu unterscheiden von mit der Administration von Information betrauten Personen und den Informationsnutzern. Informationsverwalter überblicken die Nutzung von Information und sind verantwortlisch für die Sicherstellung von Konsistenz und Aktualität der Informationseinheiten. Informationsnutzer sind aktive und häufige Nutzer der angebotenen Informationsquellen, um ihr berufliches Aufgabenspektrum zu erfüllen. Ihr persönliches Fachwissen können sie durch Informationen über aktuelle Entwickungen ebenfalls erweitern.

Just a few days ago I recieved a rechargeable battery for my old laptop, I won about a decade ago. So, finally, I am able to work (think and write down electronically for later publication on the WWW) while on my way to/from work. This offers a great opportunity for me to use my time travelling by train from Krems/Donau to Vienna in another productive way. And to keep my Website up-to-date. Right now, my display started flickering a little bit, but this won't prevent me from being optimistic that entering my thoughts immediately...

It was also yesterday, that a special book called 'Information Management in Museums' caught my interest again.

The museum is highlighted as 'storehouse of knowledge'. The collection hereby forms the 'heart' of the knowledge base. Starting at the level of 'the visible store of knowledge', people responsible for the care of museum collections elicit the information inherent in the objects to be able to generate information products, based on complementary information sources identified. The authors speak of the 'requisite store of knowledge' as a target compared to the actual (= identified) knowledge base.

A distiction between three groups involved in using, generating and exchanging information is presented. Information owners, institutions or individuals legally posessing the right on its distribution, are to separate from guardians and stakeholders of information. Responsible for ensuring the consistency and timeliness of information entities, guardians oversee the usage of information. Stakeholders of information are active and frequent users of information sources offered by guardians, to fullfill their work duties and to stay informed about the latest developments to be able to enlarge their personal expert knowledge.

2008-03-23

Bericht Tagungsteilnahme 'online ohne Ausnahme'

Am 26.11.2007 wurde vom BKA in Zusammenarbeit mit dem BMSK eine Tagung mit Workshop-Charakter zum Thema barrierefreier Zugang zum Internet veranstaltet. In mehreren, sehr lebendig gestalteteten Vorträgen wurde umfassend über die Thematik aus der Perspektive von Personen mit besonderen Bedürfnissen sowie von Mediengestaltern berichtet. Die Tagung zeichnete sich insgesamt durch einen sehr großen Praxisbezug aus, der in persönlichen Gesprächen noch vertieft werden konnte, u.a. durch einen Kurztest der Website der ZAMG.

Das Eingangsstatement von Minister Buchinger hinterließ nach einem Grobabriß der Thematik auf jeden Fall den Eindruck eines persönlichen Anliegens. Interessant am Kurzbericht von Staatssekr. Silhavy war u.a. auch, daß ein entsprechendes Schulungsprogramm auf Seiten der Verwaltungsakademie des Bundes angeboten wird und die (Rest-)Termine für 2007 bereits ausgebucht sind.

Herr Shadi Abou-Zahra, Leiter der WAI-Initiative des W3C, praesentierte in seinem Einführungsvortrag die wesentlichen Eckpunkte von accessibility und machte deutlich, daß das Thema Zugänglichkeit keineswegs allein auf Webinhalte, d.h. HTML-Seiten, sondern auch auf die Betrachtungs- bzw. Zugangssoftware (UAAG - User Agent Accessibility Guidelines) sowie die Anwendungssoftware zur Inhaltserstellung, also z.B. Redaktionssysteme (ATAG - Authoring Tools Accessibility Guidelines) anzuwenden ist.

Hr. Bäck und seine Kolleg/inn/en (Fa. atempo) skizzierten die Nutzungsgewohnheiten sowie barrierefreie Bildungs-, Kommunikations- und Unterhaltungsangebote für junge Internet-Nutzer, die Lernschwierigkeiten haben. Leicht verständlich aufbereitete Teilmodule des ECDL barrierefrei sowie die Web-Plattform "on-line - Lebenslanges Lernen und berufliche Bildung" wurden präsentiert.

Frau Eva Papst, Vetreterin des Österreichischen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, eine sehr erfahrene und kritische Computer- und Internetnutzerin, testete die Website der ZAMG inkl. eines Formulars und machte auf z.T. noch bestehende, vor Jahreswechsel 2007/08 zu behebende Mankos aufmerksam und lieferte gemeinsam mit Rudi Konar - einem ihrer beruflichen Kontakte - Hinweise auf weitere Verbesserungsmöglichkeiten.

In der Mittagspause ergab sich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Shadi Abou-Zahra über die barrierearme Präsentation von Graphiken auf Websites. Von seiner Seite wurde der Vorschlag von Scalable Vector Graphics als Realisierungsmöglichkeit für skalierbare image maps eingebracht, dies wäre an sich eine gute Idee für sehbeeinträchtigte Benutzer - wenn die Darstellung ohne plugins realisierbar wäre. Textäquivalente zu Graphiken gelten als sinnvoll, aber diese sollten inhaltlichen Mehrwert bieten und jedenfalls überall dort zum Einsatz kommen, wo sonst Information verloren ginge, die nur in graph. Form vorliegt.

Insgesamt wurde seitens der Internet-Benutzer mit besonderen Bedürfnissen betont, daß die Erwartungshaltung nicht auf einer vollständigen Übertragung der graph./visuellen Ebene von Websites auf die textliche liegt, solange der wesentliche Informationsgehalt gegeben ist. Mit Herrn Rudi Konar - Inhaber bzw. Vertreter der Fa. Schneeball Media - wurde ein kostengünstiger Kurztest der ZAMG-Homepage in Erwägung gezogen.

Gerhard Nussbaum, Kompetenznetzwerk Informationstechnologie zur Förderung der Integration von Menschen mit Behinderungen (KI-I), behandelte in seinem Vortrag v.a. Elemente von Websites, die eine Barriere für motorisch bzw. visuell beeinträchtigte Nutzer/innen darstellen.

Hr. Hesse (Beratungsnetzwerk LifeTool) berichtete daran anschließend über Beratungs- und Schulungsdienstleistungen im Bereich der Erfahrung mit Computerbenutzung, sowie über assistierende Technologien - spezielle Hardware-Produkte wie Großfeld-Tastaturen, die Integra Mouse (tm) und Spezialsoftware wie screen reader. Die Maßnahmen seines Beratungsnetzwerks, die er in seiner Präsentation mit den folgenden Stichworten beschreibt, können generell als Gleichstellungs- und Integrationsmaßnahmen von Personen mit besonderen Bedürfnissen gesehen werden:

  • Beseitigung von Zugangsbarrieren zu Computer und Kommunikation
  • ein möglichst hoher Grad an Selbständigkeit und Kontrollkompetenz
  • Förderung der sozialen Integration
  • Integration in die Arbeitswelt
  • Ermöglichung angemessener Bildung, Beschäftigung und Tagesstruktur

In seinem Vortrag 'Sichtbares versus unsichtbares Web' präsentierte der Multimedia-Designer Jo Spelbrink aus eigener Erfahrung die Nutzungsmöglichkeiten u. Barrieren der online-Medien aus der Sicht eines gehörlosen Benutzers. Sein Resümee: Strukturelle Klarheit und nicht die alleinige Ausrichtung einer Website auf eine beeinträchte Zielgruppe tragen dazu bei, daß alle Nutzer/innen einen Mehrwert daraus ziehen.

Johannes Reiss vom Österreichischen Jüdischen Museum präsentierte seinen Erfahrungsbericht vom Neugestaltungsprojekt der Website und verwies auf die Bedeutung der Sprach- und Textgestaltung als weiteres wesentliches Merkmal eines inklusiven, transparenten Gesamtinformationspakets - welches auch in seiner Bildauswahl sich auf inhaltsspezifische Darstellungen beschränkt und 'graphisches Beiwerk' hintanstellt - wovon sich der Verfasser dieser Zeilen soeben überzeugen konnte.

Fr. Mag. Jarmer vom Österr. Gehörlosenbund stellte in ihrem Vortrag u.a. das Webportal "Service Center Österr.GebärdenSprache barrierefrei" svor, das sich durch das parallele Angebot von Text, Ton und Gebärdensprachvideos auszeichnet, und i.d. Weise auch nicht-beeinträchtigen Personen einen Mehrwert durch die Multimodalität bietet.

Michael Krispl, in seiner Jugend erblindet, führte zunächst die Bedeutung klar durchschaubarer Navigationswerkzeuge an und präsentierte in seinem Vortrag anschließend Websites mit konkreten Barrieren. Er wählte hierzu Beispiele die das Spektrum von gelungen, nicht bzw. unzureichend getestet sowie irreführend konzipiert umfaßten. Dies kann besonders ärgerlich sein, wie dem Publikum konkret gezeigt wurde. Die Homepages weisen Barrieren auf, die z.T. nur über 'trial and error' zu überwinden waren. Formular-Feldbezeichnungen als Bilder(!) wie sie im RIS vorkommen, wurden als schlechte Beispiele zitiert ebenso wie eine die Nutzung eines screen readers verunmöglichende, automatisch abspielende Hintergrundmusik.

Wolfram Huber zeigte in seinem Vortrag am Beispiel historischer screenshots der Website des Sozialministeriums mit Begleitinformationen die Entwicklung einer Behörden-Homepage in Richtung Zugänglichkeit (im konkreten Fall WAI-Konformität). U.a. wurden von ihm als Rahmenbedingungen zur Umsetzung der WAI-Richtlinien folgende Maßnahmen genannt:

  • Trennung von Inhalt und Layout (CSS Layout vs. Table Layout)
  • valider Code
  • Relative statt absolute Einheiten
  • Tastatursteuerung
  • Kontraste
  • Sprungmarken

Auch er betonte, ebenso wie sein Vorredner Krispl, die gegenseitige Ergänzung von usability-Grundsätzen und accessibility-Maßnahmen in Konzeption und Umsetzung benutzbarer Software-Lösungen.

'A pivotal role in the household' - ein kurzer Dokumentations- bzw. autobiographischer Film, der im Rahmen der Veranstaltung gezeigt wurde, verdeutlichte auf eindrucksvolle Weise die Möglichkeiten, die assistive Technologien durch Behinderungen beeinträchtigten Menschen geben, daß diese gesellschaftlich - beruflich wie privat - integriert und aktiv sein können am Beispiel einer vollständig gelähmten, stummen Frau. Mittels Augenbewegungen und einem entsprechenden Hardware-Sensor in Verbindung mit einer speziellen Bildschirmtastatur und verknüpfter Sprachausgabe kann diese Frau über den Computer mit Internet-Zugang beispielsweise schreiben, einkaufen, Besuchstermine mit Freunden vereinbaren, ihren Mann bei seiner wissenschaftlichen Tätigkeit unterstützen, was ihr sonst versagt bliebe.

2007-12-16

"Die heimliche Medienrevolution"

In seinem Buch "Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern" beschreibt Erik Möller (2004) das gesellschaftsverändernde Potential durch das Zusammenwirken freier Software, individueller Berichterstattung durch Privatpersonen, sowie jenes kollaborativer Schreibprojekte. Dieses ergibt einen hohen Vernetzungsgrad - quer durch alle Bevölkerungsschichten, weltweit. Aus diesen dynamischen Interaktionen in Form von online-Zusammenarbeit u. hypertextueller Referenzierung entstehen neben semantischen auch soziale Netzwerke.

Am Beginn seines Buches gibt Möller einen auszugsweisen Abriß der Mediengeschichte, bevor er in weiterer Folge die Bausteine vorstellt, welche die Entwicklung des dezentralen Informations- u. Kommunikationsnetzes ARPAnet u. späteren Internet ermoeglicht haben. Seine Schilderung von Xanadu erinnert den Leser daran, wieviel visionäre Denker schon vor Jahrzehnten in funktionsfähige Arbeitsumgebungen umsetzen konnten. Der Autor gibt weiters einen demographischen Überblick über Mediehnutzungsverhalten.

Der Thematik freier Software widmet Möller breiten Raum: Zunächst informiert d. A. über die wechselvolle Historie des Betriebssystems Unix bzw. seiner Derivate. In diesem Zusammenhang wird der gesellschaftspolitisch relevante Problemkreis von Software-Patenten diskutiert. Interessant, wenngleich beunruhigend, ist die Entdeckung, daß sich Politiker der EU durch die kommerzielle Software-Industrie unter Druck setzen lassen und in erwähnten Fällen Negativ-Propaganda mit-lancieren. Freier Software soll - so wünschen es sich z.T. die SW-Konzerne - durch entsprechend ungünstige "Schutz"-Regelungen der Nährboden entzogen werden. - Einer der schmerzlichsten Aspekte in diesem Zusammenhang sind Versuche, die freie Verfügbarkeit von (Dokumentationen zu) Datenimport- und -exportschnittstellen zu unterbinden sowie Kompatibilitaetsversuche zu sanktionieren.

Im Kapitel über Weblogs und Wikis schildert Möller in ansprechender Weise die Entstehungsgeschichte von Weblogs. Der exponentielle Anstieg der Artikelzahl in Wikipedia ist erneut Hinweis dafür, wie groß die Mitgestaltungsbereitschaft an der Informationsquelle Web ist.

Ein weiterer Punkt, den Möller nicht unerwähnt läßt, ist die mißbräuchliche Verwendung der Kommunikationsinfrastruktur (von Diskussionsforen, Wikis oder über syndizierte RSS-Inhalte) durch sogenannte trolle. (Dies sind störende user, die z.B. kontraproduktive, sinnlose Postings online stellen.) Der Autor stellt im Laufe seines Buches unterschiedliche Ansätze, wie Bewertungsschemata, Seiten- und user-Sperren, zeitliche Automatismen oder Moderationsteams vor.

Fazit: Ein insgesamt sehr gelungenes, lebendig geschr. Buch, das sich m. E. allen am Web Interessierten und bereits Mitwirkenden empfehlen läßt, denn: die Entwicklungen verlaufen rasant, und einen umfassenden Überblick mit allen wesentlichen historischen und aktuellen Eckpfeilern zu gewinnen ist mehr als erfreulich.

Möller Erik (2004): Die heimliche Medienrevolution. Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verändern. Heise-Vlg.
2007-05-11


Digitization Training Landscape

In her article "Education for digitization", Claudia A. Perry presents the results from a research conducted via inquiries over mailing lists, direct contacts, as well as Web searches. The author outlines the 2005 landscape of digitization training initiatives.

She divides the offerings info three groups: hands-on workshops, in-depth training courses, as well as credit-based instructional products in higher education. Her results include courses from both Europe and Northern America, but do not postulate to be comprehensive. Especially in the European area, a further investigation and analysis of topic coverage in regard to commonly agreed 'building blocks' would certainly be of interest. Such modules - including scanning, digital collection policies, long-term preservation, project management - would ensure that cultural heritage information professionals could act trained the same set of core competencies.

It would be fruitful, if existing initiatives into this direction, become recognized on a trans-national level of the E.U. member states. Two activities in Austria currently developing are the Cultural Heritage Digitisation License (CH@DL) and the working group ('Arbeitskreis') "Digital Perservation". Both are carried out with the support of the Austrian Computer Society (OCG).

Perry Claudia A. (2005): Education for Digitization: How Do We Prepare? In: The Journal of Academic Librarianship 31(6), p. 523-532
2007-03-22


Buchtip

Thomas S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen.
Katie Hafner; Matthew Lyon: Where Wizards Stay Up Late: The Origins Of The Internet.

Musiktip
Gabriel Fauré: Romanze ohne Worte. (Noten)
Jaques Loussier: The Best of Play Bach. (CD)

2005-08-25

Das virtuelle Original (Folge 1)

Bilderwitz von W. Krawcewicz

Wenn die Museumsbudgets konstant gegen null gehen, muß man sich entsprechende Alternativen zur bisherigen Sammlungspolitik überlegen - Vorteil: bei Objektbeschädigung oder Verlust ist das virtuelle Original schnell durch ein vorrätiges aus dem Inventar ersetzt... Ist aber prinzipiell im Sinne einer besucherorientierten Vermittlung, denn historische Artefakte sollen ja (auch) Metaphern und Symbole für gesellschaftliche Phänomene sein. ;-)

ein virtuelles Original...

2004-07-13

Patricia Barber: Nightclub

Premonition Records/BlueNote, 2000.

Wenn Patricia Barber singt, dann tut sie dies leidenschaftlich und karg zugleich. Ihre besondere vokale Expressivität läßt sich schwer in Worte fassen: Die bloßen Liedtexte, welche an sich schon teilweise semantische Leckerbissen sind, machen eben nur einen Teil von Barbers erfrischend "alternativer" Virtuosität aus.

Patricia Barber online

2004-07-08

ZEITENBLICKE - Online-Journal für die Geschichtswissenschaften

Hrsg. Gudrun Gersmann / Hubertus Kohle / Matthias Schnettger / Michael Kaiser, Köln. ISSN: 1619-0459

E-Journal zur Geschichtswissenschaft, Kunstgeschichte und digitalen Medien. Besonders empfehlenswert ist das virtuelle "Themenheft" Digitale und digitalisierte Kunstgeschichte (2003).

zeitenblicke.historicum.net

2004-07-07

Astrid Hornby: Zwielichtgedämmere

Horitschon: Novum-Verlag, 2003. ISBN: 390232418X

Der vorliegende Band, mit dem Astrid Hornby ihr Debut als Schriftstellerin gibt, ist in vier Sektionen unterteilt. "Darkness", "Doubts", "Dreams" und "Light" laden zu einer tiefgründigen Reise durch eine Gedanken- und Gefühlswelt ein, die - so wie es scheint - zum einen Teil der Phantasie der Autorin entspringt und zum anderen bisweilen eine sehr persönliche Reflexion darstellt. Das Buch lädt den Leser - ähnlich einem Jahresablauf von Winter bis Frühling - auf eine Reise ein: auf dem Weg stößt man auf überraschende Assoziationen, die ein morbid-witziges Lesevergnügen bereiten.

Leseprobe:
Aber wie konnten seine so geliebten Flammen denn das Schlechte repräsentieren, wenn sie für ihn nur Gutes enthielten? Sie waren so voller Leben: wenn er die Farben betrachtete, die sie hervorbrachten, so musste er an Sonne und Liebe denken. Jedoch hat beides eine 'Glut' inne und auch, wenn beide Leben spenden: Je mehr man sich ihnen nähert, desto gefährlicher werden sie.
(aus der Kurzgeschichte "Der Feuerteufel")

Das Buch kaufen bei amazon.at

2004-06-22

URL: http:// www.digiart.at/huber/rezensionen.php , printable version
Erstellt am 22. Jun. 2004,
Letztes Update: 04. Mar. 2010